Auf nach Dazaifu

Vor zwei Wochen war das Wetter in Fukuoka endlich einmal wieder etwas besser. Es war zwar immer noch stark bewölt, aber regnete immerhin nicht. Da ich schon die zwei Wochenenden vorher geplant hatte nach Dazaifu zu fahren und mir das Wetter immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, entschied ich also spontan, mich in den Zug zu setzen und nach Dazaifu zu fahren.

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Dazaifu ist eine kleine Stadt in der Nähe von Fukuoka, in der es ein paar Schreine und Tempel zu besichtigen gibt. Mit dem Zug ist man eigentlich sehr schnell dort, ich wusste allerdings nicht genau welchen ich nehmen musste. Von Tenjin fahren jede Stunde Züge in Richtung Dazaifu, also kaufte ich mir ein Ticket für den normalen Zug und ging zum Bahnsteig. Mit dem normalen Zug braucht man etwa eine dreiviertel Stunde, da man einmal umsteigen muss. Witzigerweise erwischte ich aber einen Expresszug. Expresszüge sind schneller, da sie nicht an jeder Station halten, sondern einige nur durchfahren. Außerdem fuhr dieser hier direkt nach Dazaifu. Ich hatte damit also zwar den falschen Zug erwischt, was im Endeffekt aber doch besser war, da ich so nach knapp 20 Minuten in Dazaifu war. Dort zahlte ich einfach noch ein paar Yen am Automaten für den Expresszug nach (das kann man in Japan nämlich ganz einfach machen: einfach ein billigeres Ticket kaufen, wenn man nicht weiß wohin man muss und später an der Endstation einfach die Differenz nachzahlen) und war somit schneller als erwartet in Dazaifu.

Zuerst holte ich mir eine Karte von der Touristenstation und ging den Weg nach oben zum ersten Schrein. Der Weg nach oben war voller Souvenierstände und alles was dort verkauft wurde hat mich etwas an eine Mischung aus Kyoto und Nara erinnert. Zuerst besuchte ich den Dazaifu Tenmangu Schrein, einen wirklich hübschen Schrein mit großem Gelände. Man kann dort auch Koi-Karpfen füttern, es gibt sogar Futterautomaten an denen man Futtertüten kaufen kann!

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Besonders toll hat mir der Eingang zum Schrein gefallen. Neben Brücken und dem See mit Karpfen, gab es sehr viele alte Bäume, die über und über mit Moos bewachsen waren – das sah wirklich toll aus!

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Als ich gerade auf meine Karte schaute um zu überlegen, wohin ich als nächstes gehen sollte, erreichte mich auf meinem Handy eine Nachricht meiner Mitbewohnerin aus Thailand. Sie war gerade an ihrem Arbeitsplatz angekommen und musste feststellen, das wegen Obon (das japanische Totenfest; in etwa mit dem katholischen Allerseelen zu vergleichen. Dem Glauben nach kehren die Seelen der Toten an Obon zu ihren Familien zurück, deswegen ist es ein relativ wichtiger Feiertag) keiner dort war. Also verabredeten wir uns, uns hier in Dazaifu zu treffen. Ich lief also zurück zur Station und wartete dort auf sie. Witzigerweise fuhr sie mit dem normalen Zug, was wirklich viel länger dauerte.

Als sie es auch endlich nach Dazaifu geschafft hatte, gingen wir wieder zum Schrein und danach zum Kyushu Museum. Dort waren wir allerdings zu geizig um Eintritt zu bezahlen und da manche Museen auch ganz schön langweilig sein können, gingen wir lieber wieder nach draußen und suchten nach einem Restaurant zum Mittag essen.

Wir kehrten in eines in der Nähe des Schreines ein, in dem es typisches japanischen Essen gab. Ich bestellte mir Curry Reis, eines meiner absoluten Lieblingsgerichte. Zum Nachtisch gab es dann Dazaifu Mochi mit Matcha. Dazaifu Mochi sind sehr lecker – es sind gebratene Reiskuchen, gefüllt mit Azuki (süßen Bohnen). Eigentlich mag ich Mochi nicht sonderlich, aber mit Azuki schmecken sie mir wirklich gut. Wir saßen übrigens direkt am Fenster und konnten so einen weiteren See mit Koi sehr schön beobachten.

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Danach wollten wir uns noch etwas in Dazaifu umschauen, allerdings gibt es dort nicht wirklich so viel zu sehen und die Tempel und Schreine liegen sehr weit außeinander. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde durch Dazaifu gelaufen waren und noch einen alten Tempel (dummerweise habe ich den Namen vergessen) angeschaut hatten, gingen wir wieder zurück zur Station, kauften noch ein paar Mochi für unsere japanische Vermieterin und fuhren zurück nach Fukuoka.

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ACROS Fukuoka

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Vor kurzem war ich nach der Schule noch etwas in Tenjin unterwegs und habe mich daher auf den Weg zum ACROS gemacht. Das ACROS ist ein unglaublich interessantes Gebäude inmitten von Fukuoka. Es ist eigentlich eine Art Konferenzhalle, jedoch ist es über und über mit Grünpflanzen und Blumen bewachsen. Angeblich soll das Gebäude so nicht nur schön aussehen, sondern im Sommer auch natürlich gekühlt werden, damit nicht so viel Strom für die Klimaanlagen benutzt werden muss.

Das besondere an diesem Gebäude ist außerdem, dass es außen Stufen hat die man nach oben steigen kann. Ist man einmal oben angekommen, hat man eine schöne Aussicht über Fukuoka.

Neben dem Gebäude gibt es übrigens auch noch einen schönen Park, in dem ich dann noch meine Hausaufgaben gemacht habe. Ich finde das Gebäude ist ein richtiger Hingucker und eine tolle Idee, wer die Möglichkeit hat sollte es auch einmal besuchen!

Das Geräusch des Sommers.

Sobald es in Japan Sommer wird, hört man es – ein schrilles Schreien, Zirpen, Pfeifen, Trällern. Läuft man in Japan in den Sommermonaten an einem Baum vorbei, wird man ihnen zu 99% Sicherheit begegnen, wenn auch nur hörbar.

Die Rede ist von 蝉 (Semi), oder auf Deutsch Zikaden. Es ist unbeschreiblich im Sommer durch japanische Parks, Wälder oder einfach nur Grünanlagen zu laufen. Von überall her ertönen die Stimmen der Semi, die alle gewollt oder ungewollt mit ihrem Gesang beglücken. Sie gelten hier als Vorboten des Sommers, da sie ab Ende der Regenzeit etwa Ende Juni erscheinen.

Man kann drei verschiedene Arten von Semi heraushören, die jeweils unterschiedliche Töne von sich geben. Diese reichen von einem ununterbrochenen „sssssss“ über ein „mi-mi-mi“ bis zu einem „tsutsutsutsu“ und können recht penetrant sein, da sie immer in Schwärmen auftreten und bereits früh morgens mit ihrem Gesang loslegen. Da kann es schon mal passieren das man davon aufwacht oder sein eigenes Wort nicht versteht.

Irgendwie mag ich die Semi aber, sie geben einem dieses seltsame Gefühl von Sommer. Allerdings bekommt man sie nur sehr selten zu Gesicht, da sie hoch oben in den Bäumen sitzen. Meistens kann man sich die Semi nur betrachten, wenn sie auf einigen Gehwegen tot vor einem auf dem Boden liegt (sie ist allerdings auch nicht sehr ansehlich…). Wer im Juni bis September einmal in Japan ist wird sie aber auf jeden Fall ganz gewiss nicht überhören 😉