Was man so macht wenn man eigentlich nichts machen will

[Veröffentlicht am 16.07.2015. Diese Erzählung stammt eigentlich von Anfang August 2014, meiner Zeit in Fukuoka, und lag die ganze Zeit vergessen in meinen Entwürfen herum…]

Am Samstag hatte ich eigentlich geplant, nur Zuhause zu bleiben, mich auszuruhen und nichts großes zu machen. Wir hatten am Tag zuvor eine Feier zum 15-jährigen Bestehen der Sprachschule, wozu auch jeder einen Yukata oder Kimono getragen hat und danach haben wir uns das große Feuerwerk im Ohori Koen angeschaut. Daher war ich am Tag darauf sehr müde und nicht in Stimmung etwas zu unternehmen. Außerdem gab es eine Taifun-Warnung und regnete sowieso den ganzen Tag.
Nachdem ich Wäsche gewaschen und aufgehängt hatte, habe ich noch ein bisschen Blog geschrieben und dachte gerade über ein Mittagsschläfchen nach, als es an meiner Tür klopfte. Meine „Gastmutter“ (es ist ja eigentlich Flat Share) fragte mich, ob ich etwas zu Mittagessen wollte, ihr Sohn würde gleich vorbeikommen und sie würden essen gehen und ob ich nicht mitkommen wolle. Also raffte ich mich auf und wurde ob ich wollte oder nicht mit ins Auto gesteckt (ich wurde eingeladen, konnte also schlecht nein sagen, hatte aber eigentlich keine sonderlich große Lust).
Wir fuhren etwa 20 Minuten zu einem Udon-Restaurant. Am Eingang gab es wie fast immer Plastik-Nachbildungen der Gerichte und so suchte ich mir eines aus. Als es drinnen ans Bestellen ging konnte ich mich allerdings nur noch an das letzte Kanji 天 erinnern. Das war allerdings keine große Hilfe, da fast alle der Udon-Gerichte mit ten endeten, was für das ten von Tenpura (je nach Gericht verschiedene frittiere Einlagen in der Suppe) steht. Als meine Begleiter mich fragten was ich mir denn jetzt ausgesucht hatte, musste ich zugeben mich nicht mehr an den ganzen Namen erinnern zu können, daher bestellte ich mir einfach irgendein Udon aus der Karte. Dummerweise erwischte ich genau eines mit Ebi, also Garnelen, und ich kann Ebi eigentlich nicht ausstehen.

Die Udon waren allerdings sehr gut und nach Nachtisch in Form eines Mochis (süßer Reiskuchen, in meinem Fall mit Anko, also süßen roten Bohnen) ging es wieder ins Auto. Der Ausflug war damit aber natürlich noch nicht zu Ende. Es ging in den nächsten Baumarkt, denn aus irgendeinem Grund brauchten wir unbedingt ganz dringend einen 1,80m hohen Sichtschutz aus Bambus für den Balkon. Blöderweise passte die Rolle nicht ins Auto und so wurde sie mehr schlecht als recht zwischen die Sitze bis nach vorne an die Windschutzscheibe gesteckt während sie hinten noch gerade so in den Kofferraum reichte. Dieses Mal musste ich auf den Beifahrersitz, weil vorne nur noch wenig Platz war, während der Sitz eigentlich mehr umgeklappt war als gerade. So kurvten wir zurück zur Wohnung.

Der Sichtschutz steht mittlerweile auf dem Balkon und ich bin immer noch müde, weil ich mich wieder nicht so wirklich ausruhen konnte. Allerdings hat der Bambus-Sichtschutz für mich eine andere Bedeutung, über die ich mich wieder sehr gefreute habe – mein Japanisch wird besser. Langsam aber sicher. Es ist zwar meiner Meinung nach immer noch grottig und reicht nicht für komplexe Dinge aus, aber ich kann mich mittlerweile unterhalten und ein Gespräch führen ohne das ich ins Stocken komme oder überlegen muss, wie ich was sage. Oft fehlen mir zwar noch Vokabeln, so dass ich nicht alles so sagen kann wie ich will, aber Unterhaltungen über das Wetter, was ich gestern so gemacht habe und warum ich so gerne Udon esse waren, eingequetscht zwischen dem zusammengerollten Sichtschutz und der Beifahrertür im alten Golf des Sohnes, doch möglich. Und das macht mich jedes Mal wieder glücklich – auch mit einer Rolle Bambus-Sichtschutz neben mir, die mir kaum Platz zum Atmen lässt.

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