In einer japanischen Grundschule

Vor zwei Wochen wurde von meiner Sprachschule wieder eine Aktivität mit Kindern angeboten. Dieses Mal konnten wir für ein paar Stunden eine japanische Grundschule besuchen und mit den Kindern spielen. Auch daran habe ich, wie beim Sommercamp in Nakagawa, teilgenommen.

Mit dem Auto ging es etwa eine halbe Stunde an den Stadtrand von Fukuoka. Dort liegt eine kleine Grundschule, an dessen Parkplatz uns eine Lehrerin mit Regenschirm abholte, weil es schrecklich schüttete. Wir gingen zuerst in ein Nebengebäude der Schule, das wohl für Veranstaltungen und dergleichen genutzt wurde. Hier bastelten wir uns Namenschilder und ein paar „Visitenkarten“, die wir den Kindern überreichen konnten. Darauf schrieben wir zum Beispiel unseren Namen und unser Lieblingsessen.

Als wir damit fertig waren ging es in die Sporthalle der Schule. Dazu gingen wir über den mit Pfützen übersähten Sportplatz, vorbei an Kaninchenställen und Blumenbeeten. Als wir die Sporthalle erreichten, hörten wir von drinnen bereits laute Kinderstimmen, die uns sehnlichst erwartet hatten: „Ah, kita!“ („Ah, sie sind endlich da!“) Vorbei an etwa 40 Paar neugieriger Kinderaugen führte uns die Lehrkraft vor die Klassen. Es handelte sich um jeweils eine erste und zweite Klasse; die Kinder waren etwa um die 7 Jahre alt, einige vielleicht älter oder jünger.  Jeder von uns bekam eine Gruppe zugeteilt. Zuerst sollten wir uns vorstellen, dann stellten sich die Kinder in einer Reihe auf und wir tauschten unsere „Visitenkarten“ aus. Dabei sollten die Kinder natürlich ihr Englisch üben, was zwar nicht immer so ganz klappte, mir aber ganz recht war – Englischwahn der Japaner hin oder her, ich bin immerhin hier um Japanisch zu lernen 😉 Danach setzten wir uns auf den Boden und die Kinder sangen ein Lied. Es ist schon wirklich erstaunlich, aber ich glaube weltweit gibt es in wirklich jeder Klasse einen Klassenclown, der immer plappern und Unsinn machen muss. Auch hier war dies der Fall – einer der Jungs aus der Gruppe meiner Mitbewohnerin sang mit Absicht unglaublich laut und falsch, aber es war sehr lustig 😀

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Als das Lied zu Ende war, konnten wir uns mit den Kindern der ersten Klasse etwas unterhalten, während die Zweitklässler in das Nebengebäude gingen. Hier muss ich gestehen begann meine leichte Überforderung – und ich habe wirklich große Achtung für Menschen, die mit Kindern arbeiten, meine Nerven würden das nämlich nicht lange mitmachen. Abgesehen von dem unglaublichen Lärm, den Kinderstimmen anrichten können, hingen die Kinder plötzlich wie auf Kommando wie Kletten an mir. Sie drängten mich in eine Ecke, scharten sich förmlich in einem Kreis um mich und plapperten alle auf einmal – und natürlich auf Japanisch, dass kommt noch hinzu – auf mich ein. Kaum hatte ich den Mund aufgemacht um eine Frage zu beantworten, kam die nächste. Also versuchte ich es mit Gegenfragen, um Zeit zu gewinnen, und antwortete oft einfach mit Ja oder Nein, etwa ob ich Spiderman kennen würde. Das fanden die Jungs anscheinend unglaublich beeindruckend 😀

Nach einer Weile konnte meine Gruppe dann auch ins Nebengebäude gehen. Drei der Mädchen nahmen mich bei den Händen und wir rannten quer durch die Halle zum Ausgang. Die Drei ließen mich danach für den Rest des Tages auch nicht mehr aus den Augen 😉 Als wir über den nassen Sportplatz wieder zum Nebengebäude gingen, sprangen die Jungs in den Pfützen herum, während die Mädchen jeder einzelnen Pfütze gekonnt auswichen.

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Dieses Foto konnte ich nur machen, weil die Mädchen meine Hände einmal kurz gnädigerweise losließen 😉

Im Nebengebäude spielten wir dann Kaufladen. Jeder bekam eine Einkaufstasche mit Spielgeld und durfte an den Ständen einkaufen, bis das Geld leer war. Es gab unter anderem kleine Spielsachen und Süßigkeiten zu kaufen. Die Zweitklässler verkauften, die Erstklässler und wir durften einkaufen. Ich bekam neben ein paar Süßigkeiten einen Flummi und ein Kaleidoskop, das ich aber an eines der Mädchen verschenkte. Was ich wirklich sehr lustig fand war, dass die Kinder perfekt die japanische Art des Einkaufens imitierten – vom üblichen „Irasshaimase!“ (etwa „Herzlich Willkommen!“) an jedem Stand bis zum Bedanken und die Ware einpacken, hatten die Kids alles bereits wunderbar drauf. Das alles machte natürlich wieder einen unglaublichen Lärm, nach einer Weile taten mir die Ohren weh. „Meine“ Mädchen zogen mich von Stand zu Stand und halfen mir, alles einzukaufen, was sie für wichtig hielten – also so gut wie alles 😉 Sogar Schilder hatten die Kinder gemalt.

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Nach einer Weile fingen zwei Kinder an sich zu streiten und als der Junge dem Mädchen ihr Spielzeug abgenommen hatte, wälzten sie sich auf dem Boden herum und fingen an sich zu prügeln. Am Ende weinten natürlich Beide – das Mädchen, weil ihr Spielzeug dabei zu Bruch gegangen war, der Junge weil sie ihm auf die Nase gehauen hatte…

Nachdem wir noch jeder ein Eis gegessen hatten, wurden wir von den Kindern verabschiedet und nach einem letzten Abschiedsfoto wieder abgeholt, um zurück zur Schule zu fahren. Der Tag war wirklich sehr lustig, aber auch unglaublich anstrengend und ich war danach wirklich kaputt. Noch einmal Hut ab für jeden, der das jeden Tag macht, meine Bewunderung ist euch dafür sicher!

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