Mit dem Boot durch Yanagawa

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Vor kurzem bin ich an einem Samstag-Mittag kurz entschlossen in die Stadt Yanagawa gefahren, weil ich nicht den ganzen Samstag Zuhause herumsitzen wollte. 柳川市 (Yanagawa-shi) liegt südlich von Fukuoka und ist mit dem Zug von Tenjin aus in ungefähr 45 Minuten zu erreichen. Die Stadt ist relativ klein und es gibt nicht so viel zu sehen, allerdings ist sie bekannt für ihre Kanäle, die die Stadt an einigen Teilen durchziehen – das japanische Venedig sozusagen. Auf diesen Kanälen kann man Bootstouren machen, was auch der Grund war, warum ich die Stadt besuchen wollte. Ich glaube wenn man sich dafür nicht interessiert, ist Yanagawa ziemlich langweilig und nicht unbedingt einen Besuch wert. Yanagawa ist eine alte Stadt, die in der Edo-Zeit vom reichen Tachibana-Klan regiert wurde. Ein altes Haus dieser Familie kann man sich auch heute noch ansehen.

Nachdem ich am Bahnhof angekommen war, hieß es sich erst einmal wieder zurechtfinden. Der Bahnhof und die Straße davor werden zurzeit umgebaut und alles ist eine einzige Baustelle, deswegen war das nicht gerade einfach. Da ich keine Karte hatte und keine Ahnung wo ich hingehen sollte, schaute ich mich verstohlen um und entdeckte dann zwei Frauen, die mit einer Karte in der Hand in Richtung Hauptstraße liefen. Ohne eine Miene zu verziehen heftete ich mich an ihre Fersen und lief ihnen einfach hinterher, da sie so aussahen, als würden sie ebenfalls eine Bootstour machen wollen. Tatsächlich kam ich so in Richtung Fluss und zum Büro einer Firma, die Bootstouren anbietet. Dort kaufte ich mir eine Fahrkarte und die Frau am Schalter sagte mir, dass es am Schluss einen kostenlosen Shuttle-Bus gäbe, der dann wieder hierher fährt. Das fand ich sehr gut, weil ich sonst wirklich keine Ahnung gehabt hätte, wie ich wieder zurück kommen soll.

Nach einer halben Stunde waren genug Leute versammelt und die nächste Bootstour konnte starten. Natürlich war ich die einzige Ausländerin und so setzte ich mich mit 8 anderen Leuten und dem Bootsführer in ein Boot und los ging es.
Die Fahrt hat mir wirklich unglaublich gut gefallen. Es ging vorbei an alten Häusern, unter Brücken und Straßen hindurch. An der Seite zogen Blumen, Bäume und alles mögliche andere vorüber. Immer wieder gab der Bootsführer, ein älterer Japaner, Anekdoten und alte Volkslieder zum Besten, was sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe zwar nicht alles verstanden, aber grob konnte ich ihm folgen.
Spaziergänger winkten uns immer wieder zu und riefen unserem Boot „Ganbatte!“ zu – ein Anfeuerungsruf für unseren Fahrer. Der war übrigens sehr geübt und lotste uns auch unter der noch so niedrigsten Brücke und engsten Stelle des Flusses vorbei.

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Einmal hielten wir an und der Gondelfahrer pflückte Beeren für uns, die uns allen aber absolut nicht schmeckten. Er lachte bei unseren Gesichtern und meinte, als Kind hätte er sie immer gegessen wenn er hungrig war – aber da muss er wohl wirklich sehr hungrig gewesen sein 😉
Die Fahrt dauerte etwa 70 Minuten und hätte ruhig noch länger dauern können, ich fand es sehr schön und interessant. Allerdings war es doch sehr heiß, immer wenn die Sonne hinter den Wolken hervorkam, deswegen war ich froh das es die meiste Zeit eher bewölkt war.

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Am Schluss legten wir an einem Bootssteg an und beim Aussteigen fragte mich der nette Gondelfahrer noch, woher ich denn kommen würde. Das ich aus Deutschland kam fand er sehr interessant und hat ihn gefreut.

Dort am anderen Ende von Yanagawa suchte ich nach einem Restaurant weil ich unglaublich Hunger hatte, fand allerdings nur ein Café in das ich notgedrungen ging und mir das Lunch-Set bestellte. Dort kam ich mit einer Koreanerin ins Gespräch, die mit Freunden für das Wochenende nach Yanagawa gekommen war, um in ein Onsen zu gehen. Man trifft hier wirklich unglaublich viele interessante Leute an Orten, an denen man es überhaupt nicht erwartet.

Danach bin ich noch etwas in Yanagawa herumgelaufen und habe mir einen Schrein sowie ein altes japanische Haus der Tachibanas angesehen. Im Anschluss bin ich umgedreht und habe noch zufällig einen tollen, geheimnisvollen Pfad entdeckt, der durch ein Dickicht zu einem kleinen Park führte. Dort erwischten mich war ein paar Mücken, aber ich liebe solche ungeplanten und zufälligen Abenteuer an unbekannten Orten!

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Mit dem nächsten Shuttle-Bus bin ich danach wieder zurück zum Anfangspunkt der Bootstour gefahren und ging zurück zum Bahnhof, wo bald schon der nächste Zug nach Fukuoka fuhr. Der Tag war sehr ruhig und entspannend und hat mir wirklich gut gefallen, denn auch an eher unbekannten Orten die nicht voller Touristen und Sehenswürdigkeiten strotzen kann man eine wunderbare Zeit verbringen!

 

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