Nagasaki: Ein Tag in der Vergangenheit (Teil 2)

Im September ging es wie in Teil 1 bereits berichtet in die geschichtsträchtige und interessante Hafenstadt Nagasaki.

Morgens setzten eine Freundin und ich uns daher in den Bus, der in Japan wirklich so gut wie immer absolut pünktlich fährt, und fuhren etwa zwei Stunden von Fukuoka aus nach Nagasaki.

Dort angekommen mussten wir uns erst einmal zurecht finden, da der Besuch relativ spontan war und wir ihn erst am Abend zuvor sicher beschlossen hatten. Zum Glück liegt der Busbahnhof gegenüber des Hauptbahnhofs, von dem die Straßenbahnen sowie Züge fahren. Daher war es einfach die Touristeninformation zu finden, in der wir uns nicht nur mit einer Tageskarte für die Straßenbahn sondern auch mit ein paar Karten und Broschüren eindecken konnten.

Als erstes wollten wir uns den Friedenspark sowie das Museum von Nagasaki anschauen. Wir fuhren daher einige Stationen mit der Straßenbahn ins Stadtinnere und fanden von dort aus den Weg zum Park. Dort angekommen frühstückten wir erst einmal, da wir beide nur eine Kleinigkeit Zuhause gegessen hatten. Gestärkt konnte es dann in den Park gehen.
Der Friedenspark wurde zum Gedenken an die Opfer des Atombombenangriffs angelegt. Wir hatten großes Glück, denn an diesem Tag fand eine interessante Zeremonie im Park statt, die normalerweise erst viel später im Jahr abgehalten wird. Um was genau es sich handelte konnte uns die Frau, die wir deswegen angesprochen hatten zwar nicht erklären, aber es war sehr interessant. Mehrere Priester hatten ein Feuer entfacht, auf dem Holz und Kräuter verbrannt wurden und Menschen saßen darum herum und betteten. Einige Frauen liefen im Park herum und legten dort kleine Zettel aus, was wohl irgendwie mit der Zeremonie zusammenhing, aber so ganz einen Reim darauf machen konnten wir uns nicht.

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Im Anschluss gingen wir zum Museum von Nagasaki, in dem die Geschichte um den Atombombenabwurf dargestellt ist und das sich in der Nähe des Friedensparks befindet. Auf dem Weg dahin kamen wir an dem Punkt vorbei, über dem 1945 die Atombombe abgeworfen worden war.

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Wir überquerten einen kleinen Fluss und waren bald darauf am Museum angekommen, dass aus dem Museum selbst sowie einem Nebengebäude, der Gedenkhalle für die Opfer, bestand.
Zuerst betraten wir das Museum. Es war dunkel. Eine Uhr tickte laut vor sich hin und blieb dann stehen. Nur langsam ging das Licht an und man konnte die ersten Ausstellungsstücke sehen; eine stehengebliebene Uhr. Zerstörte Torbögen von Kirchen. Bilder von toten Tieren und Menschen. Es war wirklich sehr bedrückend.
Der nächste Raum hielt eine Zeitleiste sowie ein Modell der Atombombe bereit. Gleich daneben: versenkte Kleidung, eine verbrannte Brotdose, in der man noch Reis erkennen konnte, und die Schultasche eines Kindes. Bei einigen Bildern musste ich schon schwer schlucken und das war, wie meine Freundin so treffend meinte, immerhin noch gar nichts. Die Bilder waren schwarz-weiß und unscharf – wie schrecklich es dann erst für Betroffene gewesen sein musste, die alle Gerüche, Geräusche, Tote und Verletzte selbst gesehen hatten, konnte ich mir kaum vorstellen.
Nach diesem sehr bewegenden Zeitdokument verließen wir das Museum und gingen zur Gedächtnishalle. Dort führte der Weg wie durch ein einsames Labyrinth in eine große Halle, in der die Namen und Bilder der bekannten Opfer ausgestellt waren.

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Wieder draußen in der strahlenden Sonne des Spätsommers angekommen gingen wir zurück zur Straßenbahnhaltestelle. Das gerade Gesehene steckte uns noch in den Knochen.
Wir fuhren nun zur Oura Kirche, der wohl bekanntesten Kirche in Nagasaki. Auf dem Weg zur Kirche ging es eine leichte Steigung nach oben, vorbei an vielen Souvenierläden. In einem Laden kauften wir uns Eis und schleckten es auf dem Weg nach oben. Da es sehr heiß war lief uns das Eis schon bald die Hände hinunter und wir mussten erst einmal stehen bleiben um das geschmolzene Eis von unseren Schuhen zu wischen.
Der kleine Platz vor der Kirche war voller Touristen und Menschen, die die Kirche fotografierten. In die Kirche zu gehen schenkten wir uns – für Japaner kann eine Kirche ja ganz interessant sein, aber wenn man aus einem Land kommt in dem Kirchen etwas normales sind, muss man nicht unbedingt den überteuerten Eintrittspreis in eine japanische Kirche bezahlen. Allerdings war sie wirklich hübsch von außen anzusehen.

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Gleich neben der Kirche liegt der Glover Garden. Ich dachte zunächst das Glover eine Blumenart sei, deren englischen Namen ich einfach nicht kannte, allerdings lag ich damit falsch. Glover bezieht sich auf die alte schottische Familie, die früher dort gelebt hat. In diesem Park kann man sich die alten Häuser und Gärten der Glovers anschauen, zu sehen sind mehrere alte Häuser mit einigen Ausstellungsstücken darin. Vom Haupthaus der Glovers aus hat man einen tollen Ausblick über Nagasaki und den Hafen. Vor diesem Haus gibt es auch einen riesigen Teich mit Koikarpfen, die man füttern kann. Ich glaube ich habe noch nie so viele Kois auf einem Fleck gesehen, der Teich war regelrecht überbevölkert.
Das dachte sich wohl auch der ausländische kleine Junge, der sich die fetten Karpfen etwas zu genau ansehen wollte. Wir wurden Zeuge, wie er plötzlich ausrutschte und mit einem lauten Platsch in den Teich fiel. Zum Glück war die Mutter gleich zur Stelle und zog ihn wieder nach draußen, aber für ihn war der Tag wohl gelaufen und triefnass trug ihn die Mutter davon. Er hatte wirklich Glück, dass sein Kopf nicht auf einen der großen Steine am Ufer geprallt war…
Nach diesem Koi-Erlebnis gingen wir noch ein wenig durch den Park und machten viele Fotos. Er war wirklich sehr schön angelegt und erinnerte wahrlich an Schottland, allerdings mit mediteranem Einschlag.

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Als wir wieder an der Straßenbahn angekommen waren, machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Chinatown. Die Straße war sehr schön geschmückt, aber ein bisschen enttäuscht waren wir schon, denn Chinatown in Nagasaki ist wirklich winzig, viel kleiner als zum Beispiel in London.

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Immerhin aßen wir noch schnell etwas bei einem der Straßenimbisse und machten uns dann auf dem Weg zum Busbahnhof, wo wir nach ein paar kleinen Schwierigkeiten den Abfahrtspunkt zu finden gerade noch den nächsten Bus nach Fukuoka erwischten.

Eigentlich wollte ich sehr gerne noch nach Gunkanjima fahren. Gunkanjima heißt eigentlich Hashima und ist eine kleine, heute unbewohnte Insel vor Nagasaki. Dort wurde früher Kohleabbau betrieben, seit 1974 ist sie allerdings unbewohnt. Die Insel wurde einfach aufgegeben und viele alte Gebäude und Häuser sind seitdem dem Verfall preisgegeben und es sieht fast so aus, als wäre sie überhastet verlassen und evakuiert worden – eine Geisterstadt. Die Insel diente übrigens auch als Inspiration für einen Schauplatz in dem James Bond Film Skyfall.
Seit 2009 kann man die Insel unter Führung besuchen. Leider sind die Führungen sehr beliebt und eigentlich immer ausgebucht, deswegen hatten wir natürlich keinen Platz mehr für diesen Tag bekommen. Irgendwann würde ich das aber gerne einmal nachholen, da die Geschichte der Insel sehr interessant ist.

Der Tag hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Ich habe viel neues gelernt und gesehen und wer sich für japanische Geschichte interessiert, der kommt an einem Besuch in Nagasaki eigentlich nicht vorbei. Zuerst dachte ich das ein Tagesausflug nicht ausreicht um alles zu besuchen, aber wenn man die wirklich interessanten Orte in Nagasaki besuchen will reicht das auf jeden Fall. Ich würde das nächste Mal nur etwas besser im Vorraus planen 😉

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