Ein Traum wird wahr oder: Okinawa, ich komme!

Okinawa. Ausnahmslos jedem Japaner, in dessen Gegenwart man diesen Namen erwähnt, zaubert die Erwähnung der südlichsten der japanischen Inselkette sofort ein sehnsuchtsvolles Lächeln aufs Gesicht. Okinawa (沖縄) liegt etwa 500 Kilometer südwestlich von Kyushu und damit in einem völlig anderen Breitengrad als der Rest Japans. Einige Inseln Okinawas liegen somit näher an Taiwan als an den japanischen Hauptinseln.
Okinawas Geschichte ist sehr interessant; bis 1879 war Okinawa ein eigenständiges Königreich, dass den Namen Ryukyu trug. Dieser Namen wird auch heute noch oft verwendet. Dadurch entwickelte sich auf Okinawa eine völlig eigenständige Kultur und Sprache, die eher an China als an Japan erinnert. 1945 fand eine der letzten großen Schlachten des zweiten Weltkriegs auf Okinawa statt und aufgrund dessen ist Okinawa bis heute teilweise von den USA besetzt, auch wenn die Inseln seit 1972 offiziell zu Japan gehören. Die bekannte Kampfsportart Karate hat übrigens auf Okinawa ihren Ursprung.

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Seit ich vor einigen Jahren einmal eine Dokumentation über die Okinawa-Inseln im Fernsehen gesehen hatte, wollte ich Okinawa selbst unbedingt einmal besuchen. Okinawa ist subtropisch und zu Teilen auch tropisch und erinnert an einigen Stellen mit türkisblauen Meer, unberührten Sandstränden und Palmen an die Karibik. Deshalb ist Okinawa auch einer der Lieblingsurlaubsorte der Japaner.
Da ich nun schon auf Kyushu war, noch genug Gespartes und die Möglichkeit, Okinawa ganz leicht in unter zwei Stunden von Fukuoka aus zu erreichen, entschied ich mich nach langen Überlegungen zu einer Woche Strand-Urlaub auf Okinawa.
Die Planung erwies sich als recht kompliziert – Okinawa ist zwar touristisch sehr weit erschlossen, allerdings ist das öffentliche Verkehrsnetz grauenhaft und zu den meisten Stellen der Inseln kommt man nur mit einem Mietauto. Dies fiel bei mir aufgrund meiner ohnehin schon vorhandenen Unsicherheit beim Autofahren, dem Fehlen eines internationalen Führerscheins und dem Linksverkehr in Japan allerdings weg. Lange saß ich vor dem Laptop und las und wälzte gefühlt hunderte an Internetseiten, um dennoch eine halbwegs schöne Route in Okinawa zu finden. Nach einiger Frustration, mehrmaligen Planänderungen und erneuten Kalkulationen stand meine erste Reise nach Okinawa fest. Eine Woche wollte ich Zeit auf Okinawa verbringen; für zwei Tage im Süden der Hauptinsel und für vier Tage im Norden. Ein Tag blieb für einen Ausflug auf eine kleine Nebeninsel.

Somit waren Hotels und Flug gebucht und es konnte los gehen. Ich war sehr gespannt ob sich meine Erwartungen von Okinawa erfüllen würden, denn immerhin hatte ich dieses Mal nur einen Besuch auf der Hauptinsel vorgesehen, die von allen Inseln Okinawas als Unschönste gilt.
Zuerst führte es mich nach Naha, die Hauptstadt der Präfektur Okinawa. Im Stadtzentrum hatte ich mir ein Hotel für drei Nächte gebucht. Die Fahrt mit der Monorail, der einzigen vorhandenen Bahnstrecke in Okinawa, war bereits ernüchternd und ich war jetzt schon froh, nicht den Fehler gemacht zu haben mehr Tage in Naha einzuplanen. Naha ist einfach nur eine sehr abgewohnte und nicht sehr schöne Stadt, in der zwei Tage Aufenthalt völlig ausreichen.
Nachdem ich mit meinem schweren Koffer zum Hotel gefunden hatte, war ich fix und fertig und ruhte mich für den Rest des Tages eigentlich nur noch aus. Die Gegend um das Hotel war trostlos und schmutzig und ich fühlte mich zum ersten Mal in Japan etwas unsicher in der Gegend. Daher holte ich mir abends nur etwas zu Essen vom Konbini nebenan und verbrachte den Rest des Tages auf dem Zimmer.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, ging es an das Sightseeing, dass überraschend nüchtern ausfiel. Zuerst besuchte ich Shuri, das Schloss von Naha. Bereits der Eintrittspreis von über 800 Yen ärgerte mich gewaltig. Immerhin war es eine etwas andere Art von japanischem Schloss und die Einrichtung relativ interessant, dennoch fand ich den Preis absolut überteuert. Zumindest hatte das Schloss einen schönen Schlosspark und eine interessante Umgebung zu bieten.

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In der Nähe des Schlosses gibt es einige Restaurants, daher habe ich dort erst einmal zu Mittag gegessen (Tacco-Reis). Danach bin ich noch etwas in der Gegend herumgelaufen und habe einen kleinen Park besucht, in dem ich unter anderem eine Katzenfamilie entdeckt habe. In Japan gibt es wirklich unglaublich viele streunende Katzen, die sich wahllos vermehren.

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Als es in der Gegend nicht interessantes mehr zu entdecken gab, ging ich zurück zur Station und fuhr zum Busbahnhof von Naha. Von dort aus wollte ich einen Bus zum Shikinaen Park, einem japanischen Garten, nehmen. Den nächsten Bus verpasste ich allerdings knapp und so musste ich auf den nächsten Warten. Das öffentliche Verkehrsnetz in Naha ist wirklich grauenhaft, der nächste Bus kam erst in über einer halben Stunde. Um mir die Zeit etwas zu vertreiben, wollte ich mich in der Gegend um den Busbahnhof etwas umsehen, aber es gab absolut nichts zu entdecken, also ging ich zurück und langweilte mich, bis der Bus kam.

Ich fahre in Japan nicht gerne mit dem Bus, wenn ich nicht genau weiß, wann ich aussteigen muss. Einerseits muss man sich immer konzentrieren, die richtige Haltestelle zu finden, da es manchmal keine Durchsage gibt und der Name der nächsten Haltestelle in Bussen, die nicht oft von ausländischen Touristen benutzt werden, nur auf Japanisch auf der Anzeigetafel steht. Andererseits weiß man erst wieviel man bezahlen muss, wenn man aussteigt und ich hasse es dann noch das letzte Kleingeld ganz unten aus dem Geldbeutel zu kramen. Aber wie genau das Fahren in den öffentlichen Verkehrsmitteln hier funktioniert kann ich ja ein andermal erzählen, dass würde hier den Rahmen sprengen.

Irgendwann kam ich jedenfalls an der gewünschten Haltestelle an und stieg dort aus. Der Garten war leicht zu finden, allerdings wurde ich von der Kassiererin am Eingang darauf aufmerksam gemacht, dass ein Teil des Gartens gerade umgebaut wurde. Ich entschied mich natürlich trotzdem ihn zu besuchen, immerhin war ich deswegen extra hergekommen.
Der Garten gefiel mir sehr gut, ich mag japanische Gärten. Es gab einen Rundweg um einen See sowie einige Blumenbeete und kleine Nebenpfade entlang des Weges, was mir immer gut gefällt.

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Nachdem ich den Garten verlassen hatte, stand ich vor einem interessanten Problem – wie sollte ich wieder zurückkommen? Aus irgendeinem Grund konnte ich die Haltestelle, die wieder in die andere Richtung führen sollte, nämlich nicht finden. Ich lief ein bisschen in der Gegend herum und entdeckte in einer Seitenstraße endlich die Haltestelle, wo schon bald ein Sightseeingbus fuhr, mit dem ich wieder zurück ins Zentrum fahren konnte. Es war jetzt bereits später Nachmittag, daher überlegte ich während der Fahrt wo ich heute noch hingehen könnte. Ich musste mich zwischen dem Museum von Naha und der Kokusai Dori entscheiden, einer bekannte Einkaufsstraße. Letztendlich entschied ich mich für die Kokusai Dori. Diese fand ich allerdings wirklich enttäuschend und langweilig – ein Souveniershop reihte sich an den Nächsten. Seltsame Typen liefen dort auch herum und betrieben das, was man in Japan allgemein als Nampa bezeichnet- was nichts anderes ist, als Leute doof auf der Straße anzuquatschen und ziemlich nervt.
In einem Buchladen kaufte ich mir noch einen Manga, dann ging ich mit leicht schlechter Laune zum Hotel zurück. Dieser erste Tag in Naha hat mir bestätigt, was ich vorher schon oft gehört hatte: Naha ist eine wirklich langweilige und unschöne Stadt und ich war sehr froh, dass ich für den nächsten Tag einen Plan B hatte – die Flucht aus Naha…

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