Tokashiki: Flucht ins Paradies

Der dritte Tag in Okinawa brach an und meine Laune war wieder besser als am Vortag. Denn heute hatte ich einen Tagesausflug auf eine kleine Insel namens Tokashiki geplant. Tokashiki (渡嘉敷) erreicht man von Naha aus mit der schnellsten Fähre in etwa 45 Minuten. Es gibt auch noch eine Fähre die länger braucht und etwas günstiger ist, aber ich hatte mich für die Schnellere entschieden, auch weil diese früher fuhr.
Ich hatte mir außerdem extra ein Hotel in der Nähe des Fähranlegers ausgesucht, daher konnte ich am Morgen in aller Ruhe meinen Rucksack packen und mich kurz vor Abfahrt der Fähre zum Terminal aufmachen. Ich kaufte mir meine Fahrkarte und versorgte mich dann noch mit etwas Proviant aus dem Konbini, hatte ich doch gelesen, dass die Versorgung auf Tokashiki sich als etwas schwierig gestalten sollte.

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Meiner alten Strategie folgend, einfach anderen Leuten nachzulaufen, verfolgte ich ein Ehepaar zum Hafen und fand somit sehr einfach den richtigen Anleger für das Fährboot nach Tokashiki. Um Punkt 9 Uhr hieß es Leinen los und das Boot legte ab. Sobald das Boot Naha’s Hafen verließ, wurde es windig und kühle, frische Seeluft pfiff uns Passagieren um die Nase. Ich saß an Deck und konnte somit die Weite des Ozeans bewundern. Unser Weg führte vorbei an unbewohnten Inseln mit ulkigen Formen (eine sah etwa aus wie eine Schildkröte), Fischerbooten und riesigen Felsen mitten im Meer.
Nach etwa 45 Minuten kamen wir am kleinen Anleger in Tokashiki an. Auf dem kleinen Parkplatz vor dem Bootsanleger parkte bereits ein winziger Bus, mit dem man zu einem der beiden erschlossenen Strände auf Tokashiki fahren konnte. Andere Autos standen daneben und die Fahrer holten Touristen mit Schildern in den Händen für ihre Hotels ab.
Da es sich beim Bus um das einzige öffentliche Verkehrsmittel auf Tokashiki handelte, blieb mir keine Alternative und so zwängte ich mich nachdem ich den Fahrpreis bezahlt hatte mit etwa 20 anderen Passagieren in den wohl ältesten Bus, in dem ich je gefahren bin.
Als der Bus den ersten steilen Berg hinauffuhr machte der Motor einige gurgelnde Geräusche und wir wurden langsamer. Es hätte mich nicht gewundert, wenn wir einfach stehen geblieben und den Berg rückwärts wieder hinuntergerollt wären. Doch, so stellte ich mit einem leicht besorgten Blick aus dem Fenster fest, wir fuhren weiter nach oben über die Bergkette.
Oben bot sich dann eine wunderbare Aussicht in eine Bucht.

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Die Gegend war unbewohnt. Nur einmal kam uns ein Auto entgegen, als wir durch das wilde Gebiet ratterten. Die Fahrt dauerte etwa 15 Minuten.
Am Parkplatz des Strandes angekommen, der den Namen Aharen Beach trägt, vergewisserte ich mich zunächst wann der Bus am Nachmittag wieder zurückfahren würde (immerhin wollte ich nicht am Strand feststecken – obwohl das bestimmt auch seine Vorzüge haben kann), dann machte ich mich auf in Richtung Meer. Auf dem Weg den Abhang hinunter hatten einige Einheimische ihre Buden aufgebaut und verliehen Tauch- und Schwimmausrüstung. Ihre Haut war noch um einiges gebräunter als die der Leute auf der Hauptinsel. Bevor ich mich jedoch mit möglicher Ausrüstung eindeckte ging ich zunächst hinunter zum Strand. Es bot sich mir eine wundervolle Aussicht. Die Bucht in der der Strand lag war einfach wunderschön. Türkisblaues Wasser, kaum Besucher, eingerahmt von Klippen und Felsen.

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Ich suchte mir einen Platz und breitete dort mein Handtuch aus. Danach ging ich zu den Umkleiden und zog mir Schwimmsachen an und anschließend ging ich dann Schwimmen. Das Wetter war relativ gut, allerdings etwas bewölkt und daher war es im Wasser doch ein wenig kühl, aber es war sehr schön und erfrischend. Immer wieder machte ich Pausen und las ein wenig, bevor ich mir von den Einheimischen schließlich Taucherbrille und Schnorchelausrüstung lieh und Schnorcheln ging. Ich war noch nie im Meer Schnorcheln gewesen, daher war es sehr aufregend. Das Wasser vor Tokashiki ist unglaublich sauber und klar und daher konnte man sehr weit sehen. Ich tauchte an Fischschwärmen, Korallen, Felsen und Steinen vorbei und es war einfach toll.
Später ging ich etwas auf Entdeckungstour am Strand entlang. Ich lief am Wasser entlang, sammelte Muscheln, kletterte über Felsen und entdeckte kleine Höhlen entlang des Meeres. Indiana Jones lässt grüßen.

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Dann machte ich mich auf in Richtung Aussichtsturm, den es ebenfalls in der Nähe des Strandes gab. Dort traf ich einen Amerikaner und unterhielt mich etwas mit ihm – auch er war der Meinung das Naha absolut langweilig ist und es hier auf diesen kleineren Inseln wie Tokashiki noch richtige, kaum berührte kleine Paradiese gibt. Ich glaube es gibt nicht mehr viele Orte wie Tokashiki, die Touristen relativ einfach erreichen können, aber dennoch so unberührt und urban wirken. Tokashiki hat mich wirklich begeistert und es gibt noch viele weitere Inseln in Okinawa, die ich irgendwann gerne ebenfalls noch besuchen möchte.

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Nachdem ich noch einige Stunden mit Tauchen, Schwimmen und Lesen am Strand verbracht hatte, wollte ich meine geliehene Ausrüstung zurückbringen. Eine uralte, taube und fast blinde Hutzeloma saß mittlerweile am Verleihstand und es brauchte eine Weile, bis ich ihr verklickern konnte, dass ich Taucherbrille und Schnorchel zurückgeben wollte.
Eigentlich hatte ich noch Zeit bis die Fähre zurückfuhr, aber da die Sonne seit einigen Stunden vom Himmel knallte und ich schon wieder Anzeichen von Sonnenstich und Sonnenbrand zeigte, fuhr ich bereits mit dem frühreren Bus zurück zum Fähranleger. Dort musste ich zwar noch eine Stunde warten, aber dann stieg ich ebenfalls in die letzte Fähre und ein sehr schöner Tagesausflug ging somit zuende.

Tokashiki hat mir unglaublich gut gefallen und ich würde jedem einen Besuch absolut empfehlen. Vergesst Naha und Umgebung und macht euch lieber auf eine kleine Entdeckungstour auf in diese wunderschöne Insel.

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2 Gedanken zu “Tokashiki: Flucht ins Paradies

  1. Hallo, ich muss jetzt endlich mal einen Kommentar von mir hinterlassen. Ich lese sehr gerne deine Japan-Einträge hier.
    Es ist auch von mir ein Traum endlich mal Okinawa zu erkunden. Ich war das letzte Mal, als ich in Japan war in Shirahama (Kansai), was bekannt als kleines Okinawa ist und das hat mir schon total gut gefallen.^^
    Dank deines Berichts hier, weiß ich jetzt, dass ich mich nicht allzulange in Naha aufhalten werde, wenn ich wirklich mal nach Okinawa komme. Ich würde mir gerne die Burg von Naha anschauen, aber ich denke, das wars dann wohl auch schon. Ich würde auch sehr gerne kleinere Inseln anschauen, die Yaeyama-Inseln. Vor allem die, die ich in JDorama gesehen habe.

    Die Bilder und dein Bericht über Tokashiki ist wundervoll!!!
    Da kann man echt neidisch werden! ^__^

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    • Also Shuri, das Schloss von Naha, fand ich zwar ganz interessant und vor allem der Schlosspark hat mir sehr gefallen, allerdings fand ich die 800 Yen Eintritt unglaublich überteuert. Ich würde dir für den Sightseeing-Tag auf jeden Fall eine Tageskarte für die Monorail empfehlen, denn damit gibt es bei einigen Sehenswürdigkeiten 20% Rabatt, das lohnt sich dann schon eher.
      Ansonsten – versuch wirklich mehr dir die kleineren Inseln anzuschauen, die Kerama Inseln (zu denen auch Tokashiki gehört) sind da denke ich ein guter Anfang. Oder der Norden der Hauptinsel, der ist von der ganzen Hauptinsel Okinawas eigentlich noch am Schönsten, dazu schreibe ich auch noch mal was 😉

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