Okinawa: Der Norden (Teil 3) – Schlangen, Ananas und Abschied von Okinawa

An meinem nächsten Tag in Nago wollte ich wandern gehen. Dazu entschied ich mich für eine etwa 2 stündige Tour zu einem Wasserfall, dem Hiji Wasserfall. Dafür musste ich wieder mit dem Bus ein ganzes Stück in Richtung Nordspitze fahren. Blöderweise war der gut ausgebaute Wanderweg eher für die Leute angelegt, die mit dem Auto ankamen, daher musste ich noch etwa 2 Kilometer von der Bushaltestelle entlang der Straße zum Startpunkt laufen. Ich war ein weiteres Mal froh um mein Handy mit GPS-Ausstattung. Die Landschaft war wirklich schön und der Weg eigentlich relativ gut ausgeschildert – wenn man erst einmal die richtige Straße gefunden hat.

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Leider war das Wetter nicht so toll und es fing immer mal wieder an etwas zu regnen, allerdings hielt sich das Wetter dann zur Mittagszeit zum Glück und ich kam trocken am Startpunkt des Weges an. Man kann dort übrigens auch campen und grillen, allerdings waren nicht sehr viele Leute da.
Der Weg führte am Fluss entlang und über mehrere Stege und Brücken. Es war schon ein guter Marsch und da der Boden nass war musste man ein wenig aufpassen, wo man hintritt. Anstrengend waren vor allem die vielen Stufen und Treppen sodass man wirklich gut zu Fuß sein muss wenn man es bis zum Wasserfall, dem Endpunkt, schaffen will. Der Weg dauert in die eine Richtung etwa 45-60 Minuten, ist man dann am Wasserfall angekommen muss man wieder umdrehen da es keinen Rundweg gibt sondern der Wasserfall quasi eine Sackgasse darstellt.

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Der Weg hat mir sehr gut gefallen, es ging auch einmal über eine Schlucht und eine Hängebrücke. Unterwegs kamen mir zweimal Leute entgegen, ansonsten war ich alleine. Einmal begegnete ich einer Eidechse, ein anderesmal zum ersten Mal auf Okinawa einer giftgrünen Schlange (das sollte allerdings leider nicht meine letzte Begegnung gewesen sein, dazu später mehr). Dieses Exemplar war sehr ängstlich und versteckte sich schnell im Unterholz – wofür ich ihr ganz dankbar war, denn auf Okinawa leben auch sehr ungemütliche Giftschlangen, Habu genannt, und ich hatte keine Lust einer zu begegnen. Habu sind auf Okinawa ein ziemliches Problem – wie in so vielen Ländern der Welt wurde sie 1910 eingeführt, um einer Mungoplage Herr zu werden. Niemand hat allerdings bedacht, dass die Habu sich natürlich vermehrt und andere heimische Tiere ausrotten könnte. Der Habu gefiel das feuchte Klima auf Okinawa wohl ziemlich gut, denn schon bald wurde die Habu selbst zu einer Plage und wird heute immer noch stark bejagt. Man kann sie sogar als Medizin eingelegt kaufen, da sie angeblich Krankheiten heilen soll.

Jedenfalls hatte ich keine Lust einer Habu zu begegnen und passte immer gut  auf, wo ich hintrat. In der Mitte der Strecke gab es ein kleines Häuschen, in dem ich Rast gemacht und mein Mittagessen gegessen habe. Dann ging es das letzte Stück zum Wasserfall.

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Angeblich war dieser vor einigen Jahren noch nicht abgesperrt und wer sich ins kalte Wasser traute konnte bis zum Wasserfall direkt vordringen. Das kann ich mir irgendwie nicht so ganz vorstellen, bei den spitzen Felsen und dem reißenden Wasser, aber Berichten im Internet nach war es einmal so, bis sich wohl anscheinend zuviele Leute dort verletzt haben. Nach ein paar Fotos ging es an den Rückweg, doch mein Abenteuer war noch nicht vorbei.

Auf meinem Rückweg traf ich nicht nur die grüne Schlange wieder, sondern leider auch ein anderes weniger freundliches Exemplar. Ich wollte gerade meinen Fuß auf eine Treppenstufe setzen, als ich merkte das dort schon jemand lag. Erschrocken sprang ich zurück. Eine kleine, braun-grüne Schlange hatte sich dort mitten auf der Stufe niedergelassen, blockierte mir den Weg und machte keine Anstalten zu verschwinden.

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Ich bin absolut kein Schlangenfreund und konnte außerdem nicht sagen, ob mir das Tierchen etwas tun würde wenn es sich bedroht fühlt. Leise sagte ich: „Na komm, ich will nur vorbei gehen, ok?“ und wollte meinen Fuß langsam auf die übernächste Stufe setzen. Das gefiel ihr aber wohl überhaupt nicht. Sie fauchte, zog sich zusammen, stellte sich auf, öffnete ihr Maul und machte sich zum Angriff bereit. Schnell sprang ich zurück und fragte mich, wie ich aus meiner Misere wieder herauskommen sollte. Links von mir war Fels, Rechts von mir ein steiler Abhang mit reißendem Fluss einige Meter tiefer und vor mir eine gereizte Schlange, die keine Anstalten machte mich vorbei zu lassen. Ich wollte sie auch lieber nicht weiter reizen und versuchen sie mit einem Stock zu vertreiben. Leider gab es nur diesen einen Weg, ich musste also an ihr vorbei um zurück zu kommen. Also kletterte ich auf den Abhang und hangelte mich in großem Abstand nach rechts, vorbei an der schlecht gelaunten Mr. oder Mrs. „schau-mich-nicht-an-sonst-knallts“. Erleichtert schwang ich mich einige Stufen weiter oben wieder auf die Treppe, streckte dem Getier drei Stufen unter mir die Zunge heraus und ging weiter.
Nach diesem Schreck begegnete ich nur noch einer Schildkröte sowie ein paar Libellen, dann war ich wieder am Startpunkt angelangt, ging zurück zur Bushaltestelle und wartete auf den nächsten Bus der zurück nach Nago fuhr. Schlangen und ich werden wohl keine Freunde mehr werden.

Der nächste Tag, ein Freitag, war mein vorletzter Tag in Okinawa. Das Wetter war wieder schlechter geworden und es regnete den ganzen Tag. Am Morgen machte ich mich auf zum so genannten Nago Pineapple Park. Der Park wurde aus irgendeinem Grund im Internet als tolle Attraktion angepriesen, bei der Beschreibung schwahnte mir allerdings schon böses. Da es mir an Alternativen fehlte und ich an diesem Tag trotzdem etwas unternehmen wollte, fuhr ich also dort hin. Und ich habe noch nie in meinem Leben einem Eintrittsgeld so sehr hinterhergetrauert… Der „Park“ war die schlimmste Halsabschneiderei und Touristenfalle, in die ich jemals einen Fuß gesetzt habe. Ich kam mir danach richtig betrogen vor. Man bezahlt 600 Yen, nur um dann zu einem Foto mit einem Ananasmaskottchen gezwungen und in einem automatischen Karren etwa 8 Minuten durch ein halbherzig bepflanztes Ananasfeld gefahren zu werden. Danach kann man das Foto für 700 Yen am Ausgang kaufen, läuft durch ein Muschelmuseum das mit Ananas mal überhaupt nichts zu tun hat und muss sich 20 Minuten durch einen einzigen Supermarkt kämpfen, in dem Produkte mit Ananas verkauft werden. Ich mache keine Witze und ich übertreibe auch nicht, dass war der ganze Nago Pineapple Park. Eines kann man mir glauben – die kostenlosen Proben habe ich dann frustriert so viel gegessen und ausgeschöpft wie nur möglich…

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Im Anschluss bin ich zurückgefahren und da es immer noch regnete, ins Museum von Nago gegangen. Es schienen sich nicht sehr oft Leute dorthin zu verirren und erst nach dem dritten Mal laut räuspern hörte mich der Herr am Eingang und legte sein Sandwich zur Seite, um mir die Eintrittskarte zu geben.
Das Museum ist klein und etwas eingestaubt, war aber interessant. Man kann sich alte Ausstellungsstücke vom Ackerbau, dem Fisch- und Walfang und den Tieren der Gegend ansehen.

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Ich entdeckte auch gleich ein paar alte Schlangen in Einmachgläsern und versuchte meine Begegnung vom Vortag auszumachen, bin mir aber bis heute nicht sicher ob es nun eine giftige Habu war oder nicht.

Auf meinem Weg zur Bushaltestelle schaute ich mir noch den ältesten Baum von Nago an, ein riesiges Ungetüm das in der Mitte eines Verkehrskreisels steht und bereits von vielen Stangen gehalten werden muss.

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Dann ging ich zurück zum Hotel und lief noch einmal am Strand entlang, da es mittlerweile aufgehört hatte zu regnen. Am nächsten Tag ging dann mein Flieger zurück nach Fukuoka, von wo aus ich nach einer Nacht im Kapselhotel nach Südkyushu aufbrach, aber das ist die Geschichte für einen anderen Eintrag.

Ich habe auf Okinawa viel gesehen und erlebt und bin sehr froh, dass ich dort war. Okinawa war allerdings anders als ich es mir vorgestellt hatte. Die Strände sind, ist man denn auf der richtigen Insel, wirklich toll, das Wasser ist unglaublich sauber und die Natur wunderschön. Die Menschen kamen mir manchmal ein wenig ungehobelt vor, wobei ungehobelt vielleicht das falsche Wort ist, etwas direkter trifft es wohl besser. Im Gegensatz zu den Menschen auf Kyushu, Honshu oder anderorts in Japan wirkten die Menschen in Okinawa wirklich komplett anders auf mich. Die Woche auf Okinawa hat mir aber sehr viel Spaß gemacht und ich habe viel neues gesehen und erlebt, würde das nächste Mal aber auf jedenfall die Städte soweit wie möglich meiden und mich eher auf kleinere Inseln und Dörfer konzentrieren.

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