Nara – Die Stadt der Rehe

Ende Dezember war ich für einen kleinen Ausflug in der Stadt Nara. Nara kannte ich schon von meinem letzten Japan-Urlaub und die Stadt hatte mir damals schon sehr gut gefallen. Daher wollte ich ihr unbedingt wieder einen Besuch abstatten, jetzt wo ich schon mal in der Nähe wohnte.

Die Stadt Nara (奈良市) liegt in der gleichnamigen Präfektur und war früher einmal die Hauptstadt Japans. In der Stadt gibt es viele Tempel und Schreine zu besichtigen, doch besonders bekannt ist Nara für seine etwas anderen Bewohner – etwa 1.300 wilde Hirsche und Rehe.
Es ist schwer vorstellbar wenn man es nicht einmal selbst gesehen hat, doch diese leben im friedlichen Einklang mit der Stadt, seinen Bewohnern und Besuchern. Sie gehören seit Jahrhunderten zum Stadtbild und werden sogar als heilig verehrt. Obwohl die Rehe und Hirsche wirklich wild sind und niemandem gehören, haben sie sich an Menschen gewöhnt und lassen sich füttern und streicheln. Man sollte aber nicht vergessen das sie dennoch Wildtiere sind und auch einmal ein wenig unfreundlich werden können…

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Wie kam Nara zu seinen Rehen?

Wie oben bereits erwähnt war Nara vor tausenden von Jahren einmal eine wichtige Stadt, die Hauptstadt sogar um genau zu sein. Wie damals üblich herschte über die Stadt eine Familie namens Fujiwara, die einen Schrein hatte. Der Überlieferung nach wurde dieser Schrein von einer Gottheit beschützt, die auf einem Hirsch ritt. Daher waren Hirsche und Rehe für die Fujiwaras sehr wichtig und standen unter Schutz. Sie durften nicht gejagt werden. Nach einiger Zeit verloren die Hirsche und Rehe im angrenzenden Wald daher ihre natürliche Scheu und leben seitdem zusammen mit den Menschen in der Stadt.

Da ich mich in Nara schon etwas auskannte, bin ich vom Bahnhof aus gleich die Straße in Richtung Nara-Park nach oben gelaufen. Entlang der Straße gibt es wie so üblich viele Touristen- und Souvenierläden, die hier alles mögliche und unmögliche im Bezug auf die Hirsche und Rehe verkaufen.

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Als erstes bin ich über das Gelände des Kofukuji-Tempels (興福寺) gelaufen. Die Haupthalle wird immer noch und das noch für Jahre renoviert, aber das Gelände an sich ist auch so sehr schön. Hier begegnet man bereits den ersten Hirschen und Rehen, die für Fotos herhalten müssen.

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Danach bin ich in Richtung Nara-Park weitergelaufen. Ich hatte für die Rehe extra ein wenig trockenes Brot zum füttern dabei. Eigentlich gibt es aber auch in Nara selbst sogenannten Shika-Senbei (Hirsch-Kekse) zu kaufen. Man sollte sich nur bewusst sein, dass die Tierchen unglaublich verfressen sind und einen nicht mehr in Ruhe lassen wenn sie einmal Futter gerochen haben. Daher war ich hier erst ein wenig zurückhaltend was das füttern betraf, auch wenn mir bereits ein Reh die ganze Zeit über gefolgt ist.

Am Nara National Museum vorbei bin ich dann in Richtung Todaiji-Tempel (東大寺) gelaufen. Auf dem Weg dorthin trifft man auch wieder viele Rehe und Hirsche an.
Der Todaiji-Tempel beherbergt eine riesige Buddha-Statue, die mir immer ein wenig Angst einflößt. Sie ist komplett aus Bronze und über 15 Meter hoch. Der Eintritt kostet 500 Yen, was ich dafür das es nicht sehr viel zu sehen gibt ein bisschen viel halte, aber ich bin trotzdem reingegangen.

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Danach bin ich noch ein wenig in der Gegend und dem angrenzenden Wald herumgelaufen. Dort bin ich sogar zum ersten Mal auf ein wirklich scheues und wildes Reh getroffen, das nicht sofort angerannt kommt wenn man ihm das Brot hinhält. Einige Rehe in Nara haben also doch noch etwas von ihrer natürlichen Scheu behalten.

Es gibt übrigens noch eine weitere Besonderheit der Nara-Hirsche: Einige von ihnen verbeugen sich. Und das stimmt wirklich; ich würde es eher Kopfnicken nennen, aber es gibt einige Rehe die sich nach oder bevor sie etwas zu fressen bekommen vor einem verbeugen. Angeblich haben sie sich das vor Jahrhunderten von den Menschen abgeschaut und die Kitze schauen es sich von Generation zu Generation von ihren Eltern ab, sodass diese Besonderheit bis heute erhalten geblieben ist.

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Reh „verbeugt“ sich um Futter zu bekommen

Auf einer angrenzenden Wiese machte ich dann den größten Fehler des Tages und ich erzähle das hier auch nur um andere zu warnen, wie man es nicht machen sollte 😉 Wie erwähnt darf man nämlich nicht vergessen: die Rehe und Hirsche sind einfach immer noch wild. Dummerweise hatte ich noch etwas Brot in einer Plastiktüte in meiner Tasche, das ich noch verfüttern wollte. Fehler Nummer 1: Niemals mit einer Tüte rascheln. Und ganz besonders nicht (Fehler Nummer 2) wenn eine Gruppe von etwa 15 Rehen und Hirschen in einem Umkreis von 10 Metern in der Nähe steht. Die hoben nämlich bei dem kleinsten Geraschel der Tüte ihre Köpfe, sahen mich für den Bruchteil von etwa 2 Sekunden aus der Entfernung aus an – und ich wusste, dass ich einen großen Fehler begangen hatte. Im nächsten Moment kamen sie natürlich alle angerannt und scharten sich um mich. Dabei rempeln und stoßen sie einen auch nicht gerade ziemperlich an. Während ich also Brot in hohem Bogen und soweit ich konnte von mir warf und es die Meute in sekundenbruchteilen wie ein Staubsauger aufsaugte, fragte ich mich, wie ich aus dieser Misere wieder herauskommen sollte. Ich beschleunigte meine Schritte und ging über den Hügel davon – gefolgt von Rehen und Hirschen. Leider war mein Brotvorrat bald zu Ende und das fand besonders ein Hirsch wohl ziemlich doof. Denn dieser begann nun mich anzurempeln und zu stoßen – und ich war wirklich froh das er kein Geweih mehr hatte. Mir blieb nichts anderes übrig und es musste sehr ulkig ausgesehen haben; ich flüchtete und rannte so schnell ich konnte vor der wild gewordenen Rehmeute über einen Hügel davon. Ich bin zum Glück heil davon gekommen 😉

Nachdem ich noch etwa fünfzig Meter von einem weiteren Reh verfolgt wurde, dass das Spektakel wohl beobachtet hatte und zu dem Schluss gekommen war, ich müsste bestimmt etwas sehr leckeres in der Tasche haben, war ich meine unliebsame Begleitung los. Ich ging an der Straße wieder zurück und lief dann durch den Park zurück zum Bahnhof.

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Verfolgt von einem Reh…

Nara ist wirklich einen Besuch wert, denn die Rehe und Hirsche sind wirklich eine Attraktion für sich. Auf Miyajima gibt es ja auch relativ zahmes Wild, aber Nara ist noch einmal eine andere Erfahrung und ich habe vor bald noch einmal nach Nara zu fahren. Nur dann ohne Brot.

 

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3 Gedanken zu “Nara – Die Stadt der Rehe

  1. Es ist doch unglaublich, dass ich schon seit 4 Monaten fast in der Nachbarschaft wohne und immer noch nicht in Nara war ://
    Ich will unbedingt! In den Ferien wird das erledigt. Deinen Ratschlag werde ich dann auf jeden Fall auch beherzigen.
    Die Rehe sind ja unglaublich niedlich (außer wenn sie dich umringen… Ich stelle mir das ja nicht so lustig vor xD)

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    • Also morgen ist in Nara ein Festival mit Feuerwerk – vielleicht wäre das ja ein Anlass für dich mal nach Nara zu fahren 😉
      (Ich musste so lachen, ich habe statt umringen erst umbringen gelesen und dachte nur „Ja, das ist sehr passend ausgedrückt!“ :D)

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      • Hmm, schade, das habe ich wohl verpasst :/ Aber trotzdem Danke für die Info 😀
        Umbringen habe ich zwar eigentlich nicht gemeint, aber ja, das erscheint mir auch als ein passendes Wort 😀 😀

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