Kyoto’s Straßen.

Jetzt wohne ich schon seit ein paar Monaten in Kyoto und habe überhaupt noch nichts über die Stadt selbst geschrieben. Daher möchte ich heute einmal von dem sehr interessanten Straßenbild in Kyoto berichten!

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Straße in der ich zurzeit wohne

Ich finde das Straßensystem in Kyoto nämlich sehr interessant. Wer schon einmal in Kyoto war, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass die meisten Straßen hier sehr gerade verlaufen. Es gibt vergleichsweise wenig Kurven oder „krumme“ Straßenverläufe. Schaut man sich Kyoto einmal aus der Vogelperspektive an, zum Beispiel auf einem Stadtplan, stellt man fest, dass die Straßen in Kyoto beinahe wie ein Schachbrett verlaufen. Die Stadt besteht zum großen Teil aus vielen kleinen Häuserblöcken und die Straßen verlaufen daher meistens kerzengerade von Nord nach Süd oder West nach Ost. Oft kann man, wenn man zum Beispiel an einer Kreuzung steht, sehr weit geradeaus schauen. Dies wurde angeblich aus China übernommen, wo alte Städte oft schachbrettartig angelegt wurden.
Das ist auch als Fußgänger ziemlich praktisch, denn hat man sich doch einmal verlaufen ist es sehr einfach wieder zur richtigen Straße zu finden, da man einfach die nächste Querstraße nehmen kann oder nur einmal um den Block laufen muss und schon ist man wieder auf der Hauptstraße.
Kyoto hat außerdem, vor allem in alten Stadtteilen wie Gion oder Higashiyama, überdurchschnittlich viele kleine Gassen und Wege und wirkt daher an vielen Stellen noch sehr traditionell und als wäre die Zeit stehengeblieben.

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Es gibt sogar noch eine weitere Besonderheit. Mithilfe eines alten Liedes das als Eselsbrücke dient kann man sich die Namen der wichtigsten Straßen Kyotos merken, die von Ost nach West, von der Marutamachi-dori bis zur Kujo-dori, verlaufen. Das Lied heißt Maru-Take-Ebisu und viele japanische Schulkinder lernen es auch heute noch in der Grundschule:

Maru take ebisu ni oshi oike
Ane san rokkaku tako nishiki
Shi aya but-taka matsu man gojo
Sekida chara-chara uonotana
Rokujo hitcho torisugi
Hatcho koereba toji-michi
Kujo-oji de todomesasu.

Es ist ein bisschen schwierig dem Ganzen zu folgen, aber die Straßennamen werden quasi abgekürzt und dann aneinander gereiht. Wer sich das Lied einmal anhören möchte, der kann das hier. Wer schon einmal den 7. Detektiv Conan Film, Meitantei Conan: Meikyu no Kurosurodo, gesehen hat, dem kommt das Lied vielleicht bekannt vor – es spielt dort eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Falles.

Es gibt zwei Ausnahmen oder Ungereimtheiten in der vierten Zeile des Liedes, die damit zusammenhängen, dass das Lied schon so alt ist. Das chara-chara gehört zur sogenannten Onomatopoesie – das sind Wörter die Geräusche darstellen und davon gibt es im Japanischen sehr, sehr viele. Das chara-chara könnte man mit klimper-klimper übersetzen und beschreibt in diesem Fall das Klimpern von Schlüsseln und Münzen; es steht in diesem Lied für die Kagiyamachi-dori und die Zeniyamachi-dori (Kagi ist Schlüssel, Zen sind Münzen und beides macht eben klimper-klimper 😉 ). Außerdem heißt die Uonotanamachi-dori heute komplett Rokujo-dori und ist damit eigentlich im Lied überflüssig.

Es stimmt also wirklich, dass Kyoto nicht nur eine sehr alte sondern auch sehr interessante Stadt ist, die jeder einmal besuchen sollte und ich wohne zurzeit wirklich gerne hier 🙂

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2 Gedanken zu “Kyoto’s Straßen.

  1. Das Straßensystem in Kyoto ist wirklich toll!
    Auch wenn ich von dem Aufbau schon wusste merkt man den Unterschied zu anderen Städten finde ich ziemlich deutlich und schnell 🙂
    Ich finde es einfach toll, wenn man Straßen so weit schauen kann!
    Ich sollte echt demnächst nochmal ein oder zwei Tage in Kyoto verbringen und die Stadt erkunden 😀

    Liebe Grüße

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