Wie teuer ist Japan wirklich?

„Ist Japan nicht unglaublich teuer?!“
„Ich habe gehört, dass Japan eines der teuersten Länder der Welt ist – stimmt das?“
„In Japan wird man auf Dauer arm, nicht wahr?“

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Die Antwort auf diese Fragen lautet: Jein! Japan kann in einigen Punkten wirklich Geld kosten, was sich aber wieder relativiert, weil man dafür an anderen Punkten sehr viel sparen kann. Wer natürlich immer nur teuer essen geht, mitten in der Stadt wohnen möchte und auch ansonsten das Geld zum Fenster hinauswirft, der braucht sich nicht wundern, wenn er in Japan am Existenzminimum herumkriecht.
Das Japan aber wirklich so unfassbar teuer ist wie gemeinhin oft behauptet, stimmt nicht. Heute möchte ich einmal anhand von ein paar Beispielen aufzeigen, was manche Sachen hier in Japan so kosten, was teuer ist, was nicht und wie man hier sehr gut sparsam leben kann.

Die Umsatzsteuer in Japan beträgt 8 Prozent. Sie wurde aufgrund der allgemein schlechten Wirtschaftslage vor einiger Zeit erhöht, davor waren es nur 5 Prozent. 2016 soll dann eine Erhöhung auf 10 Prozent folgen.
Die meisten Preise werden hier übrigens ohne Steuer auf der Ware angegeben, dass heißt als Nettopreis. An der Kasse kommt dann noch die Umsatzsteuer dazu.

  • Lebensmittel

Beginnen wir doch einmal mit den Dingen, die man wirklich zum Leben braucht, Essen und Trinken. Wie in anderen Ländern auch, kann man im Supermarkt mit ein paar Tricks sehr viel sparen, wenn man Preise vergleicht. In Japan gibt es auch noch ein paar andere Tricks. Es ist hier zum Beispiel ein No-Go, abgelaufene Lebensmittel zu kaufen, auch wenn man sie noch bedenkenlos essen könnte. Abgelaufene Lebensmittel werden noch am gleichen Tag entsorgt. Damit die Läden daher nicht auf ihren Waren sitzen bleiben, werden teilweise schon Tage vor dem Ende des Haltbarkeitsdatums Waren günstiger angeboten. Sie bekommen dann einen kleinen Aufleber, auf dem der neue Preis steht, was oftmals nur ein Bruchteil vom eigentlichen Preis ist. Der Witz ist, dass es meistens Artikel sind, die eigentlich noch drei Tage haltbar sind, trotzdem will der Supermarkt sie schnell loswerden. Waren, die noch am selben Tag ablaufen, bekommt man fast hinterher geworfen, weil sie kaum noch etwas kosten, Joghurt zum Beispiel. Ich bin auch schon einmal durch den Supermarkt gelaufen und habe nur vergünstigte Waren gekauft – damit habe ich vielleicht gerade einmal die Hälfte bezahlt, die Sachen waren noch tagelang haltbar und ich war für die nächsten Tage versorgt.
Eine weitere Möglichkeit, bei der die Handhabe die selbe ist, ist spät am Abend einkaufen zu gehen. Dann werden vor allem frische Waren wie Obst, Gemüse oder Bentos billiger gemacht, weil man sie noch am gleichen Tag essen muss. Damit bekommt man sehr einfach ein günstiges Abendessen.
Gerade wenn man in Supermarktketten wie Aeon oder Gourmet City einkauft, die es in so gut wie jeder Stadt gibt, kann man einige Dinge sehr günstig bekommen, da diese Ketten ihre eigenen günstigen Billigmarken herstellen. Joghurt, eine zwei Liter Flasche Wasser, kleine Tiefkühlfertiggerichte oder Tütensuppen und ähnliches bekommt man dort für unter 100 Yen, also nicht einmal 80 Cent. Interessanterweise fährt man sehr viel günstiger, wenn man größere Packungen kauft, bei Wasser oder Reis lohnt sich das zum Beispiel.

Allerdings gibt es wirlich einige Dinge, die relativ teuer sind, Käse zum Beispiel. Abgesehen davon das japanischer Käse meiner Meinung nach ohnehin nicht sonderlich gut schmeckt, ist er auch sehr teuer. Ich esse sehr gerne Käse, aber habe mir hier in Japan nur einmal Mozzarella und Kiri-Frischkäse gegönnt. Käse ist sehr teuer und die Packungen sind winzig. Eine winzige Packung Gouda kostet zum Beispiel teilweise über 400 Yen (3 Euro) und es ist manchmal wirklich nur ein winziger Bissen in der Packung.
Auch Obst ist teilweise so unglaublich teuer, dass man meint, man kauft Gold in Schalen. Bananen gibt es seltsamerweise sehr günstig, aber alle anderen importierten Obstsorten sind sehr teuer. Ein einziger Apfel kostet je nach Sorte etwa 250 Yen, das sind fast 2 Euro – für einen Apfel! Auch Melonen sind unbezahlbar und fast ein Luxusgut. Für das Geld, für das man in Deutschland eine ganze große, wunderschöne, frische Wassermelone bekommt, dafür bekommt man in Japan gerade mal ein viertel oder achtel Stück. Eine ganze Melone kostet fast 8-10 Euro – nach oben keine Grenze, ich habe auch schon Melonen für 3,600 Yen, also 27 Euro gesehen!
Abgesehen von Bananen, die man manchmal schon für 98 Yen (75 Cent) für 3 Stück bekommt,  kaufe ich Obst meistens in Dosen oder aber als kleine Schüssel Obstsalat, wenn der Preis abends reduziert wird. Dann muss man das Obst natürlich noch am selben Tag essen, aber es schmeckt immer noch gut.

Abgesehen von Supermärkten gibt es natürlich noch andere Einkaufsmöglichkeiten, Konbinis zum Beispiel. In Konbinis sind die Preise teilweise etwas höher, dafür bekommt man hier auch warme Fertiggerichte, die man sich gleich aufwärmen lassen kann, Plastikbesteck, Stäbchen und Serviette bekommt man natürlich gleich dazu. Kleine Reisgerichte oder Suppen gibt es schon ab 200 Yen, also 1,50 Euro.

Auch wer gerne einmal auswärts isst, muss nicht hungern. Die üblichen Fast-Food Ketten gibt es natürlich auch. Burger King ist eher selten, dass japanische Pendant dazu heißt Mos Burger, dort habe ich aber noch nie gegessen. McDonalds gibt es auch an jeder strategischen Ecke, hier sind die Preise so ungefähr wie in Deutschland, vielleicht ein wenig höher, ich war hier aber erst ein einziges Mal im McDonalds. Bezahlt habe ich für meinen Burger etwa 420 Yen, also um die 3,20 Euro, aber es kann sein das es sich dabei um einen Burger handelte, den es nur für kurze Zeit gab, diese sind ja meistens etwas teurer. Auch Subway-Sandwiches kosten ungefähr das Gleiche wie in Deutschland.
Natürlich gibt es auch japantypische Ketten, Yoshinoya zum Beispiel ist eine Kette für Gyudon-Gerichte und ähnliches, indem es die Gerichte ab 200 Yen (1,50 Euro) gibt. Wer gerne Sushi isst kann zu meiner Lieblingskaitenzushikette Sushiro gehen, dort gibt es das Sushi ab 100 Yen pro Teller.
Bei Restaurants gibt es nach oben wie in Deutschland natürlich keine Grenze. Die Preise sind aber immer irgendwo vor dem Eingang angeschrieben und die Gerichte werden als Wachsattrappen im Schaufenster gezeigt, so erlebt man keine bösen Überraschungen. Wasser oder Tee gibt es übrigens zu 99% in jedem Restaurant kostenlos, so dass man sich eigentlich nichts zu trinken bestellen muss.

Ich könnte noch ewig weitere Dinge aufzählen, aber belassen wir es hier einmal dabei. Wie man sieht kann man so günstig oder teuer essen wie man will, es muss ja nicht gerade Kobe-Beef der Güteklasse A sein 😉

  •  Kleidung

Ab und zu möchte man sich natürlich auch in Japan mal etwas schönes zum anziehen leisten. Ich bin in dieser Kategorie aber wohl das denkbar schlechteste Beispiel, denn der angebliche Klamotten- und Schuhekauftick, den man weiblichen Wesen allgemein nachsagt, trifft auf mich leider überhaupt nicht zu. Allerdings liebe ich japanische Mode und daher schaue ich hier viel öfter und lieber durch die Läden als in Deutschland, was aber noch einen anderen Grund hat – denn endlich finde ich einmal Sachen, die mir wirklich passen. (Wenn man sein ganzes Leben lang in Deutschland nur selten Hosen findet, die man ohne Gürtel tragen kann oder die einfach zu lang sind und man sie immer umnähen oder hochstecken muss, freut man sich einfach sehr, dass man perfekt in japanische Konfektionsgrößen passt 😉 )
Die Preise sind in etwa mit Deutschland zu vergleichen, natürlich gibt es nach oben wieder keine Grenze. Es gibt hier auch typische Verkaufsketten wie H&M, allerdings ist gerade H&M hier eher selten anzutreffen (was mir ganz recht ist, denn ich halte von H&M ohnehin nichts). Japanische Pendants sind zum Beispiel Uniqlo oder GU, bei denen ich sehr gerne einkaufe. Diese haben eine gute Qualität und oft Aktionen oder Rabatte, bei denen man sehr günstig kaufen kann. Als ich für den Winter einen dicken Mantel und ein paar Pullover brauchte, habe ich denke ich etwa soviel bezahlt, wie ich auch in Deutschland bezahlt hätte.

Was es in Japan aber sehr viel öfter zu geben scheint als in Deutschland sind Second-Hand Läden. Meistens sind die Sachen dort so gut erhalten oder sehen aus wie noch nie getragen, dass es fast so ist, als kaufe man sie neu.
Die Second-Hand Kette BookOff, die ich absolut liebe und die es auch in jeder Stadt gibt, hat oft eine ganze Abteilung nur für Second-Hand Kleidung. In Fukuoka war ich zum Beispiel oft im Store in Tenjin, wo es eine ganze große Verkaufsetage nur mit Kleidung gab und dort habe ich mir auch ein paar Sachen gekauft. Man kann natürlich auch selbst dort verkaufen – als ich einmal reduzierte Schuhe gekauft habe, die mir dann doch nicht richtig gepasst haben, habe ich sie einfach bei BookOff verhökert und wieder ein wenig Geld dadurch zurückbekommen 🙂 Second-Hand Läden sind also auch eine gute Art günstig einzukaufen und Geld zu sparen.

  • Transport

Was in Japan durchaus ganz schön zu Buche schlagen kann, sind die Transportkosten. Bus, Bahn oder U-Bahn sind meistens nicht gerade günstig. Natürlich kommt es hier auch wieder auf die eigene Situation an und wie weit man fahren muss. In Fukuoka habe ich zum Beispiel in Gion gewohnt und brauchte nur zwei U-Bahn Stationen bis Tenjin, wo meine Sprachschule war und was auch gleichzeitig so etwas wie die Stadtmitte von Fukuoka ist. Auch zum Bahnhof von Hakata hatte ich es nicht weit und konnte sogar laufen. Ich hatte also eine sehr gute Anbindung an das Verkehrsnetz. Hier in Kyoto wohne ich in Shimogyo-ku und brauche auch nur eine Station bis zum Kyoto-Hauptbahnhof zu fahren. Wenn man zentral wohnt und eine gute Anbindung hat, kann man also teilweise schon sehr viel an Fahrtkosten sparen, wenn man nicht umständlich erst umsteigen oder lange Fahrtwege aufnehmen muss. Auch das Fahrrad ist eine gute Alternative und lohnt sich, wenn man für längere Zeit in Japan ist. Nur das Anmelden im Rathaus nicht vergessen!

Fahrpreise sind sehr unterschiedlich. Das staatliche Eisenbahnnetz, die JR (Japan Railways), fährt so gut wie überall, die Fahrpreise richten sich nach Distanz. Bis zum Hauptbahnhof, also eine Station, bezahle ich hier in Kyoto zum Beispiel 120 Yen (90 Cent). Abgesehen davon gibt es noch viele private Linien, hier in Kyoto zum Beispiel Keihan Railways die natürlich ihre eigenen Preise haben und entweder günstiger oder teurer sein können. Busse kosten hier in Kyoto im Stadtbereich übrigens 230 Yen pro Fahrt und das egal wie weit oder kurz man fährt, es ist ein festgelegter Standardpreis. In manchen Städten richtet sich auch hier der Preis nach der Distanz, je nachdem wie weit man fährt.
Shinkansen sind sehr teuer. Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann – Shinkansen sind die berüchtigten japanischen Hochgeschwindigkeitszüge, die einen sehr schnell von A nach B bringen. Je nach Geschwindigkeit kosten die Fahrten unterschiedlich viel. Ich habe mir bisher nur eine Fahrt im Shinkansen gegönnt und dabei wird es auch bleiben. Meine Fahrt von Hiroshima nach Kyoto kostete mich einfach 11,410 Yen, also fast 90 Euro. (Dies war vorher nicht eingeplant gewesen, ich war nach einer Fahrt im Nachtbus von Fukuoka nach Hiroshima aber so mit den Nerven am Ende, dass mir alles egal war – Hauptsache nicht noch einmal Langstreckenbus fahren lautete da die Devise und die Kurzschlusshandlung zog dann ein teures Shinkansenticket nach sich…)

Sparen kann man hier vor allem als Tourist. Für Touristen gibt es zum Beispiel den Japan Railpass, den man für 7-21 Tage kaufen kann. Dieser Pass ist nicht günstig (ab 200 Euro), aber wenn man viel und weit mit dem Zug fährt lohnt er sich auf jedenfall. Schon mit einer Fahrt im Shinkansen von Kyoto nach Tokyo hat man den Preis wieder raus.
Es gibt auch noch viele andere Tickets je nach Region, zum Beispiel den Kansai Area Pass, mit dem man im angegebenen Zeitraum so viel und oft Bahn fahren kann wie man will. Auch für Busse gibt es oft Kombinationstickets und Tageskarten, mit denen man eine Menge sparen kann und man oft noch verbilligten Eintritt für Museen und andere Sehenswürdigkeiten erhält.
Da ich kein Tourist bin sondern als Einwohner gemeldet und eine längere Aufenthaltsgenehmigung im Pass kleben habe, kann ich diese leider oft nicht kaufen 😉 Für Japaner und Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung ab 3 Monaten wie mich gibt es ein paar Alternativen. Es gibt zum Beispiel das so genannte Seishun 18 Kippu der JR, auf das mich damals meine Hostmutter in Fukuoka aufmerksam gemacht hat. Es ist eine Art Gruppenticket, dass es nur in bestimmten Zeiträumen gibt, etwa zu den Schulferien. Der Name hatte mich erst verwirrt und ich dachte nur Leute bis 18 Jahren könnten es kaufen, sie erklärte mir dann das dem nicht so ist. Ausprobiert habe ich es aber noch nicht. Es kostet 11,850 Yen (91 Euro), ist 5 Tage gültig und man kann so oft mit dem Zug fahren wie man möchte.
Bei den oben genannten Tickets gibt es manchmal Einschränkungen bei den Zügen mit denen man fahren kann, aber ansonsten kann man durchaus viel damit sparen.

Natürlich kommt es auch darauf an wie viel man unterwegs ist. Da ich oft und gerne reise muss ich natürlich nach dem billigsten Transportmittel schauen und gebe trotzdem wohl das meiste Geld für Fahrtkosten aus. Auch hier gibt es aber wieder viele Alternativen, mit denen man sparen kann.
Auch hier in Japan gibt es zum Beispiel Billig-Airlines, die viele Flughäfen anfliegen. Airlines wie Peach, Skymark oder Vanilla Air bieten zwar null Komfort, bringen den Passagier aber doch ausreichend schnell und gut zum gewünschten Ziel. Ich bin zum Beispiel einmal von Fukuoka nach Naha, Okinawa, geflogen und habe bei Skymark für Hin- und Rückflug 27,800 Yen, also etwa 214 Euro bezahlt. Billiger geht es natürlich auch, Skymark ist noch die etwas teurere unter den billigeren Airlines, aber ich war zufrieden. Flüge gibt es bei Peach teilweise schon ab 50 Euro und oft gibt es Aktionen und Rabatte, dafür werden beim Service natürlich Abstriche gemacht und Gepäck ist oft nicht inklusive.

Auch mit Langstreckenbussen lässt sich Geld sparen. Für Hin- und Rückfahrt von Fukuoka nach Kagoshima habe ich zum Beispiel 8,125 Yen, also 62 Euro, bezahlt. Ein Nachtbus von Fukuoka nach Hiroshima kostete mich 4,150 Yen, also 31 Euro und die Fahrt im Nachtbus von Kyoto nach Tokyo (mein nächstes Ziel) habe ich gestern bezahlt, was mich 7,200 Yen (55 Euro) gekostet hat.

Es lohnt sich also immer die verschiedenen Transportmöglichkeiten wie Bus, Zug oder Flug zu vergleichen und dann das günstigste zu benutzen. Wer zum Beispiel immer die gleiche Strecke fahren muss (von Zuhause zur Uni oder zur Arbeit), für den wäre eine Monatskarte interessant. Diese gilt dann nur auf dieser Strecke, rechnet sich aber oft da man für Einzelfahren manchmal deutlich mehr bezahlten müsste. Viele japanische Firmen übernehmen noch die Transportkosten für ihre Mitarbeiter, denn gerade in Tokyo können das, wie man an den obigen Beispielen sieht, durchaus ein paar hundert Euro sein.

Ich benutze eigentlich immer meine IC-Card, die ich mir schon in Fukuoka gekauft habe und die man mittlerweile mit einigen Ausnahmen fast überall in Japan verwenden kann. Es ist eine aufladbare Karte, von der die Preise pro Fahrt abgezogen werden. Wie genau sie funktioniert und was man mit ihr machen kann, werde ich aber ein anderes Mal erzählen.

  • Wohnen

Neben Transportkosten sind die Wohnkosten in Japan wohl so ziemlich das teuerste, dieses Thema möchte ich aber nur kurz anschneiden. Wohnen in der Stadt ist natürlich ziemlich teuer und worauf man alles achten muss und was für Kosten auf einen zukommen, darüber ließe sich ein ganzes Buch schreiben.
Es kommt natürlich sehr darauf an, wo man wohnt. Tokyo zählt hier wirklich nicht umsonst zu den teuersten Städten der Welt. Ein eigenes, großes Apartment im Zentrum können sich nur gut verdienende leisten, die meisten wohnen in angrenzenden Städten/Präfekturen wie Chiba oder Yokohama und pendeln jeden Tag 2 Stunden zur Arbeit und zurück.
Ist man nur für einige Zeit in Japan ist es ohnehin schwer bis unmöglich ein eigenes Apartment zu bekommen. Mittlerweile gibt es aber immer mehr Agenturen und Firmen, die sich auf Ausländer spezialisiert haben und auch alles auf Englisch anbieten. Dafür sind die Mieten oft teurer. Aber auch für Japaner ist es manchmal schwer, eine neue Wohnung zu finden – oft fallen Dinge wie Key Money, Deposit, mehrere Monatsmieten im Vorraus als Sicherheit, Maklergebühr, eine Art „Willkommensgebühr“ für den Vermieter und weitere Vertragskosten an. Auch braucht man meistens einen Bürgen. Ich kann bisher natürlich nur von meinen Erfahrungen sprechen, aber dies sind einige Dinge die ich bisher so mitbekommen habe.
In Fukuoka habe ich ja bei einer Japanerin in der Wohnung mitgewohnt, wie eine Untermiete quasi. Ich weiß nicht mehr genau wieviel es gekostet hat, weil ich es über eine Agentur gebucht habe, aber es war wirklich in Ordnung. Hier in Kyoto wohne ich in einem Share House und das ist auch eine der günstigsten und einfachsten Arten für Ausländer, hier zu wohnen. Ich bezahle hier für ein Zimmer pro Monat etwa 400 Euro. Bad und Küche werden übrigens geteilt, aber das ist in Ordnung. Strom, Internet und alle anderen Kosten sind inklusive. Natürlich ginge es noch billiger, aber mir war wichtig das ich zentral wohne, nicht gerade im letzten Loch und nicht nur mit Ausländern unter einem Dach, also musste ich im Preis ein paar Abstriche machen. Wenn ich demnächst nach Tokyo ziehe kann ich von diesem Preis nur träumen – dort werde ich wesentlich mehr bezahlen müssen, was vor allem wieder an der Lage der Wohnung liegt. Wohnen kann hier also durchaus teurer werden, aber wer auf dem Land, in einem Dorm oder am Stadtrand wohnen kann, der kann viel billiger wegkommen.

Eine weitere tolle Möglichkeit, wie man allgemein Geld sparen kann, ist die Kette Daiso. Dort gibt es alles was das Herz begehrt, von Haushaltsartikeln wie Besteck über Handtücher, Bastelartikel, Süßigkeiten, Kosmetik, … und das Beste – alles  kostet, mit ein paar Ausnahmen, nur 100 Yen! In Deutschland würde man Daiso wohl als 1 Euro Laden bezeichnen, nur das man es überhaupt nicht mit deutschen Läden vergleichen kann, weil die Qualität sehr viel besser ist und es viel mehr Produkte gibt. Bei Daiso kauft jeder ein und man kann sich dort für seine erste eigene Wohnung von der Pfanne bis zum Löffel alles zusammenkaufen, was man braucht.

Von Hotels und Hostels gibt es auch alles von günstig bis teuer. Ein geteiltes Hostelzimmer, eine Kabine im Mangacafè oder eine Kapsel im Kapselhotel gibt es ab 10 Euro die Nacht, Ryokan (traditionelle japanische Unterkünfte) und 5 Sterne Hotels sind natürlich entsprechend teurer.

  •  Hobbies & Unterhaltung

Natürlich möchte man sich auch einmal etwas gönnen oder etwas kaufen. Auch hier variieren die Preise oft sehr stark.
Sehr teuer sind zum Beispiel DVDs. In Deutschland bekommt man diese teilweise in Wühlkisten hinterhergeschmissen, dass ist in Japan absolut nicht der Fall. Auch ältere Titel kosten oftmals noch den Originalpreis. Das ist für mich, die sehr gerne japanische Filme und Serien schaut, natürlich nicht so toll. Denn DVDs sind wirklich teuer. Sehr teuer und ich kann von einigen Serien, die ich gerne auf DVD hätte, bislang nur träumen. Staffelboxen von japanischen Serien wie Dorama oder Anime kosten ein Vermögen. Was in Deutschland teilweise die gehobenen Special Editions oder Collectorsboxen kosten, sind hier die völlig normalen Preise für normale DVDs. Laut Amazon Japan kostet zum Beispiel die erste Staffel von einer meiner japanischen Lieblingsserien, Hana yori Dango, 12,312 Yen – das sind 94 Euro! 94 Euro für 10 Folgen im Schuber! Auch Filme oder Konzert-DVDs bekommt man oft erst ab 40 Euro aufwärts im Laden, es ist wirklich traurig mit anzusehen. Oft sind zwar noch Extras und Booklets dabei, dennoch sind die Preise maßlos überteuert. Interessanterweise gibt es in Japan dennoch vergleichsweise wenig illegale Downloads oder Raubkopien, da hier das Gesetz wirklich sehr streng ist und diese gnadenlos verfolgt werden, die Firmen können die Preise also durchaus auf diesem Level halten und sie werden trotzdem gekauft. Auch CDs sind hier keine Ausnahme. Daher sind in Japan Videotheken, in denen man sich DVDs, BluRays und CDs ausleihen kann, noch sehr viel mehr verbreitet, was bei diesen Ladenpreisen natürlich kein Wunder ist. Die Kette Tsutaya zum Beispiel, von der ich auch eine Mitgliedskarte habe, ist überall vertreten. Dort kann man sich die Medien ausleihen und manchmal gibt es auch Aktionen, bei der man sich ein Medium im Monat gratis ausleihen kann.

Eine weitere Möglichkeit zu sparen ist auch hier wieder der Gebrauchtkauf. Meine Lieblingskette BookOff ist die beste Anlaufstelle, denn dort kann man wirklich beim Stöbern viele Schnäppchen finden. Es gibt dort gebrauchte DVDs, CDs, Mangas, Spiele, Kleidung, Bücher und vieles mehr zu wirklich guten Preisen und in guter Qualität. Die meisten japanischen Medien die ich besitze habe ich auch bei BookOff erstanden, dort kosten manche Dinge weniger als die Hälfte des Originalpreises 😉

Bleiben wir doch bei diesen Medien. Wie sieht es zum Beispiel aus mit Kinobesuchen? Nun, auch Kino ist teuer. Finde ich deutsche Tickets, vor allem für unnötige 3D-Filme schon überteuert, schießt Japan teilweise noch mehr den Vogel ab. Ich war bisher dreimal hier in Japan im Kino. Für einen 2D Animefilm aus dem Hause Ghibli habe ich zum Beispiel 1,800 Yen (13 Euro) bezahlt, ein großer internationaler Blockbuster in 3D kostete inklusive 3D-Brille, die man hier mitkauft, 2,200 Yen (16 Euro).

Konzerttickets gibt je nach Künstler, Halle und Konzerttyp ab 2,000 Yen (15 Euro) bis ins Unendliche aufwärts, eine Karte für ein Baseballspiel kostet je nach Sitzplatz etwa 2,500 Yen (19 Euro). Sehenswürdigkeiten sind sehr unterschiedlich, selbst Tempel kosten meistens 600 Yen, 4,60 Euro. Museen und dergleichen gibt es meistens schon unter 1,000 Yen. Freizeitparks sind wie in Deutschland teuer, eine Karte für die Universal Studios in Osaka oder das Disneyland in Chiba gibt es ab 5,000 Yen, 38 Euro, aufwärts.

Ich könnte jetzt natürlich noch Ewigkeiten so weiter machen, aber belassen wir es einmal hierbei, sonst rauchen Euch noch die Köpfe vor lauter Zahlen 😉 Wie man hoffentlich sehen kann, ist Japan absolut nicht DAS teure Land, für das es oft gehalten wird. Viele Dinge kosten soviel wie in Deutschland, manches mehr dafür ist anderes viel günstiger. Der Service und die Höflichkeit von Angestellten und Servicepersonal ist sowieso immer super und inklusive (es gibt z.B. kein Trinkgeld, das kennt man hier nicht), da hat Japan wirklich gegenüber allen anderen Ländern die ich kenne meilenweit die Nase vorne.

Die Antwort, ob Japan teuer ist, hängt also von jedem selbst ab – ich bleibe bei meinem Jein.

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7 Gedanken zu “Wie teuer ist Japan wirklich?

  1. Ein sehr interessanter Beitrag! Ich selbst schreib mir ja immer auf wie viel ich ausgebe am Tag und so (und es ist zu viel, weil ich mich nicht beherrschen kann und immer alles mögliche kaufen muss 😥 ) von daher fand ich es interessant zu lesen wie du so mit deinem Geld umgehst!
    Transportkosten sind wirklich mit das teuerste. Mit der Wohnung und allem habe ich ja sehr viel Glück da ich im Studentenwohnheim auf dem Campus wohne und das von der Miete her sehr billig ist (13700 Yen im Monat), dafür ist der Standort des Campus nicht so zentral aber für meinen Alltag, der sich ja hauptsächlich an der Uni abspielt wohl das beste!
    Bei Äpfeln kaufe ich meist immer einen 5-6 Apfel Beutel für ich glaube so 480 Yen, also man kann sie auch billiger bekommen 🙂
    Second Hand Läden sind echt toll und wenn mein Kleiderschrank nicht schon aus allen Näten platzen würde, könnte ich dort immer einkaufen gehen :3
    Die Billig-Airlines habe ich noch gar nicht ausprobiert, aber ich überlege demnächst mal nach Hokkaido zu reisen, dann könnte ich das ja mal ausprobieren 🙂
    LG

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    • Mir ist auch schon aufgefallen, dass es sehr darauf ankommt, wo man einkauft. Jetzt in dem Supermarkt hier in Tokyo sind ein paar Dinge doch ein wenig günstiger, Obst zum Beispiel komischerweise 😀 Habe mir hier daher jetzt auch mal wieder einen Beutel Äpfel gegönnt, waren glaube ich sogar nur so 380 Yen für 5 Stück 😉
      Ich überlege auch schon länger, mal für ein paar Tage nach Hokkaido zu fliegen, aber ich weiß nicht genau wann und wohin :/ Shikoku habe ich ja irgendwie nicht geschafft, weil ich einfach keine schöne Route gefunden habe, da würde ich wenigstens gerne noch nach Hokkaido, vielleicht Anfang Juni oder so, mal sehen…

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  2. Sehr guter Beitrag!
    Bei mir war „Japan ist so teuer oder?“ auch die erste Frage die immer jeder stellt.
    Ich liebe BookOff muss aber gestehen ich habe dort noch nie Anziehsachen gesehen? Vielleicht sind die in meiner Nähe einfach zu klein ^^“
    (und die Preise für Hana Yori Dango sind schmerzhaft hoch…)
    Was Lebensmittel angeht gibt es fast überall recht günstige wie du schon geschrieben hast, wir haben für uns jetzt aber auch Costco entdeckt. In dem amerikanischen Großhandel gibt es zwar alles nur in Großpackungen, aber dafür habe ich dort 1,2 kg Gouda „nur“ 10 Euro bezahlt 🙂

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  3. Super Beitrag. Ich bekomme die Frage auch immer gestellt. War das nicht teuer???? Und tatsächlich war eher die Wohnung teuer (vom Flug abgesehen).
    Ich finde aber das jedes Land irgendwo teuer ist, man muss nur wissen wie man günstiger um die Runden kommt. 🙂

    Seishun 18 Kippu: Hab ich damals benutzt, es war ganz nützlich, man kann entweder mit 5 Leuten den ganzen Tag fahren oder halt 5 Tage alleine, quasi als Tagesticket. Man lässt es einfach abstempeln vom Schaffner im Zug oder bei der Ubahn vom Aufseher bei den Schranken, da man damit ja nicht da durch kommt. Aber man kann die gewöhnlichen JR Linien nutzen und langsamere Züge. Quasi wie bei uns das Wochenendticket, wo man mit der Regio durchs ganze Land fährt. Ich bin damit über Nacht von Tokyo nach Osaka gefahren. Bei längeren Strecken sollte man aber unbedingt einen Sitzplatz buchen (ich glaube damals warens 100yen).

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