Lost and Found in Translation

In wohl so ziemlich jeder Sprache der Erde gibt es sie: Wörter, die man einfach nicht in eine andere Sprache übersetzen kann. Denn oftmals gibt es für ein Wort in einer anderen Sprache einfach keine passende Übersetzung, weil dieses Wort nur in dieser Form und mit dieser Bedeutung in der einen Sprache existiert.

Japanisch zum Beispiel hat viele solcher Wörter. Für mich ist Japanisch wohl die schönste Sprache der Welt, was unter anderem auch daran liegt, dass es bestimmte Begriffe, Redewendungen oder Wörter gibt, die man einfach in keiner anderen Sprache ausdrücken kann. Japanisch hat viele wunderschöne Wörter, die es in anderen Sprachen einfach nicht gibt. Man kann ihre Bedeutung umschreiben, aber man wird niemals ein passendes deutsches Wort dafür finden. Heute möchte ich einmal ein paar meiner liebsten japanischen Wörter oder Ausdrücke vorstellen und versuchen zu erklären, was sie bedeuten. Denn durch sie kann man oftmals auch sehr viel über die japanische Mentalität und Kultur lernen!

  • 懐かしい (natsukashii)

Natsukashii ist ein Adjektiv, für das man nur schwer eine deutsche Übersetzung findet. Es beschreibt in etwa ein Gefühl von Nostalgie; eine Erinnerung an etwas lieb gewonnenes, die schon lange zurückliegt.
Erinnern wird uns doch einmal zurück an die Kindheit. Wenn man heute zum Beispiel ein Gericht isst, dass man als Kind geliebt und schon sehr lange nicht mehr gegessen hat und man bekommt beim Essen dieses ganz bestimmte warme Gefühl von Zufriedenheit, weil es uns in der Zeit zurückversetzt, dann ist das natsukashii. Oder man besucht einen Ort, an dem man schon Jahre nicht mehr war und mit dem man viele Erinnerungen verbindet. Kommt man eines Tages zurück an diesen Ort und erinnert sich an die guten alten Zeiten, dann ist dieser Ort auch natsukashii.

  •  木漏れ日 (Komorebi)

Komorebi ist „das Sonnenlicht, dass durch ein Blätterdach scheint“. Wenn man zum Beispiel im Wald spazieren geht, nach oben schaut und die Sonne von oben durch die Blätter hindurchscheint – dieses Licht ist mit Komorebi gemeint. Auch für dieses Wort gibt es einfach keine deutsche Entsprechung, aber gerade daher finde ich dieses Wort einfach nur wunderschön.

  • 空気を読む (Kuuki wo yomu)

Kuuki wo yomu. Dieser Satz ist besonders schwer ins deutsche zu übersetzen bzw. zu erklären, denn hierfür muss man etwas weiter ausholen.
In Japan ist allgemein Gruppengefühl und Harmonie sehr wichtig. Seine eigene Meinung auf Biegen und Brechen durchzusetzen und andere zu ignorieren gehört sich zum Beispiel einfach nicht. Es wird immer versucht eine gemeinsame Lösung zu finden und auf die Mitmenschen und was diese denken zu achten. Zu solch sozialen Situationen gehört Kuuki wo yomu. Direkt übersetzt würde es „die Luft lesen“ bedeuten, was nicht sehr viel Sinn ergibt. Gemeint ist „die Situation erfassen„, auch im Sinne von „zwischen den Zeilen lesen„. Aber auch das trifft es nicht ganz. Es geht vor allem um die Gefühle, Meinungen und Gedanken des Gegenübers, die man erfassen und beachten soll. Japanisch ist an sich schon eine Sprache, in der vieles nicht direkt ausgesprochen wird, daher erhält dieser Satz gleich noch einmal mehr an Bedeutung. Man soll feinfühlig sein und versuchen eine gemeinsame Lösung zu finden, die alle zufrieden stellt. Also ist Kuuki wo yomu angesagt. Kann das jemand nicht und versucht immer laut seine Meinung anderen Leuten aufzudrängen, heißt es übrigens oft abschätzig Kuuki wo yomenai, „er kann die Situation nicht lesen„.

  • しょうがない (shouganai)

Auch shouganai ist ziemlich schwer zu erklären, da der Begriff sehr tief in der japanischen Gesellschaft verankert ist und für viele Situationen gebraucht wird. Man kann auch shikata ga nai sagen. Auf Deutsch würde man wohl „Da kann man nichts machen„, „Es ist halt passiert“ oder „Das ist nicht zu ändern“ sagen. Man benutzt es vor allem in Situationen, die einfach sind wie sie sind. Man akzeptiert viele Dinge einfach – es ist shouganai. Was nützt es zum Beispiel sich über etwas noch tagelang aufzuregen – es ist passiert, man kann es nicht mehr ändern, also akzeptiert man es. Eben shouganai. Ich muss sagen, dass ich in meiner Zeit hier in Japan diese Art, manche Dinge einfach zu akzeptieren und abzuhaken, ohne sich noch lange darüber Gedanken zu machen, in vielen Punkten übernommen habe ohne es zu merken. Allerdings im positiven Sinne. Früher habe ich mir über viele Dinge im nachhinein einfach viel zu viele Gedanken gemacht und über manches noch tagelang nachgedacht – heute denke ich mir ebenfalls meistens shouganai und hake es ab.
Aber shouganai kann auch einen etwas bitteren Beigeschmack haben, den man zweiseitig sehen kann. In westlichen Kulturen mag man sich zum Beispiel über manches wundern, dass einfach mit shouganai betitelt und so hingenommen wird. Zum Beispiel gab es einige Aussagen nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, die mit shouganai endeten. Was schon einen sehr faden Nachgeschmack hinterlassen kann. Auch einige teilweise bedenkliche und negative Dinge der japanischen Gesellschaft werden einfach so hingenommen, die Situationen in Firmen und die allgemeine harte Arbeitsmentalität zum Beispiel.
Außerhalb Japans kann man den Ausdruck schnell als Gleichgültigkeit verstehen, dass es aber nicht ist. Es ist eben (shouganai) durch und durch Japanisch.

  • 一期一会 (Ichigo Ichie)

Auf Deutsch würde man wohl „Einmal im Leben“ dazu sagen. Gemeint sind hier allerdings vor allem Begegnungen mit Menschen. Ichigo Ichie sagt aus, dass man jede Begegnung die man im Leben macht wertschätzen sollte. Jede Situation ist einzigartig und kommt nie mehr wieder. Man kann sich auch nicht sicher sein, einem Menschen ein weiteres Mal zu begegnen. Daher sollte man jede Situation, jedes Treffen, jede Begegnung als wichtig erachten und wertschätzen – denn sie kommt (zumindest in dieser Form) nicht noch einmal vor. Das ist das Konzept des Begriffs Ichigo Ichie.

  • よろしく (Yoroshiku)

Yoroshiku wird in unterschiedlichen Situationen benutzt. Trifft man jemanden zum ersten Mal und stellt sich förmlich vor, so sagt man oft Yoroshiku Onegaishimasu. Auch das kann man wieder nicht übersetzen, da es sich auf Deutsch ziemlich doof anhört, aber es bedeutet in etwa „Bitte seien Sie mir wohlgesonnen„, auch im Sinne von einer guten Zusammenarbeit und das es nett ist den anderen kennenzulernen. Außerdem sagt man Yoroshiku oft wenn man jemand anderen um etwas bittet, also im Sinne das etwas erledigt werden soll.
Es gibt noch sehr viele andere Situationen in denen es verwendet wird, aber als Beispiel belassen wir es einmal hierbei.

  • お疲れ様 (Otsukaresama)

Diesen Ausdruck hört man vor allem nach dem Abschluss einer Arbeit, zum Beispiel am Ende eines Arbeitstages. Es bedeutet so viel wie „Gute Arbeit“ oder das man etwas gemacht hat, man es jetzt beendet hat und es anstrengend war, den anderen also quasi dafür lobt (tsukare heißt nämlich auch Anstrengung oder Müdigkeit).
Ich habe es aber auch schon eher im Spaß und zu anderen Gelegenheiten gehört. Meine Japanischlehrerin in der Sprachschule hat es oft am Ende einer schwierigen Unterrichtsstunde gesagt. Auch Busfahrer sagen es manchmal, nachdem man eine lange Strecke gefahren ist, zu den Fahrgästen oder in den Universal Studios meinte ein Mitarbeiter, als wir aus einem der Fahrgeschäften ausstiegen, auch Otsukaresama deshita 😉

Da es sehr schwer ist solche Wörter zu erklären belassen wir es heute einmal hierbei. Vielleicht mache ich mal einen zweiten Teil falls solche Dinge überhaupt jemanden interessieren 😉

Zum Abschluss möchte ich euch noch diesen schönen Kurzfilm zur Thematik der einzigartigen Worte und Gefühle, für die es keine Worte gibt, ans Herz legen.

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