Auf in den Norden: Hokkaido

Meine letzte „größere Reise“ in Japan waren 5 Tage Hokkaido in der ersten Juni-Woche. Damit war ich übrigens auf allen Hauptinseln Japans außer Shikoku – das wird irgendwann aber auch noch erledigt.

Zunächst ging es aber erst einmal noch nach Hokkaido. Hokkaido (北海道) ist die nördlichste der japanischen Inseln und vor allem bekannt für endlose Natur und Einsamkeit. Es gibt dort viele Nationalparks, in denen man Reiern, Bären, Affen und vielem mehr begegnen kann. Von allen japanischen Inseln ist sie noch am ürsprünglichsten. Wie auf Okinawa wird allgemein dazu geraten, ein Mietauto auf Hokkaido zu benutzen, da die öffentlichen Verkehrsmittel nur sehr spärlich gesäht sind und man zu den meisten Orten ohne Auto gar nicht hinkommt. Ich konnte mir allerdings wieder kein Auto mieten und wollte dies auch nicht, also war meine Route etwas eingeschränkt. Außerdem ist Anfang Juni eigentlich keine sehr gute Zeit um nach Hokkaido zu reisen, da es eine Art Zwischensaison ist. Hokkaido ist vor allem im Winter wegen den vielen Wintersportmöglichkeiten attraktiv und im Sommer aufgrund der vielen blühenden Blumenfelder ein beliebtes Reiseziel. Leider blieb mir aber zeitlich nur noch der Juni.

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Laut Wetterbericht sollte ich mit dem Wetter nicht sehr viel Glück haben. Regen und kalte Temperaturen waren angesagt.
Montags ging es mit der Billigairline Vanilla Air von Tokyo zunächst nach Sapporo. Sapporo (札幌) ist die Hauptstadt Hokkaidos und so ziemlich der beste erste Anlaufpunkt.
Nachdem ich vom Flughafen aus nach 40 Minuten in Sapporo angekommen war, habe ich zunächst etwas gegessen und mir dann noch ein paar der näheren Sehenswürdigkeiten angeschaut, von denen es allerdings nicht sehr viele gibt.

Als erstes war ich am Sapporo Clocktower, dem Wahrzeichen Sapporos. Dieser wurde irgendwann einmal von Amerikanern dorthin gebaut und steht heute immer noch. Er ist auch auf vielen Postkarten von Hokkaido abgebildet.

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Danach habe ich mir noch den Odori Park und den Fernsehturm von Sapporo angeschaut. Nachdem ich mir dann noch etwas zu essen gekauft hatte, ging es ins Hotel.

Am nächsten Tag, dem Dienstag, ging es für einen halben Tag nach Otaru (小樽), eine kleine Stadt in der Nähe von Sapporo. Was ich vorher nicht wusste – Otaru liegt am Meer, was eine schöne Überraschung war, weil ich einmal wieder Meer sehen konnte.
Besonders bekannt ist Otaru für seinen Kanal, der die Stadt an einer Stelle durchzieht. Also habe ich mir diesen zuerst angeschaut.

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Danach gab mir ein Mann von der Touristeninformation den Tipp, mir die Sakaimichi Straße anzuschauen, da es dort viele bekannte Läden gibt. Das habe ich dann auch gemacht. Besonders haben mir ein Laden mit Spieluhren und ein Laden mit Glasbläserarbeiten gefallen. Dort habe ich mir dann nach langer Überlegung ein hübsches Windspiel gekauft (ich liebe den Klang von japanischen Windspielen), das ich hoffentlich ohne Schaden nach Deutschland bekomme.

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Als ich den Laden wieder verlassen hatte und weiter die Straße entlanglief, bemerkte ich in einigen Metern Entfernung ein paar Schulkinder (ich glaube Mittelschüler), die sich an der Straße herumdrückten und mich mit Klemmbrettern in der Hand schüchtern anschauten. Ich hatte den Eindruck das sie mich etwas fragen wollten, also tat ich ihnen den Gefallen und lief langsamer, bis sich ein Mädchen traute und mich auf Englisch ansprach. Ich fand heraus das sie für ihren Englischunterricht ausländische Touristen interviewen sollten. Daher tat ich ihnen den Gefallen und beantwortete ihren Fragebogen – der Lehrer stand übrigens daneben und filmte 😉 Danach wollten sie noch ein Foto mir mir machen, aber den Jungs war es wohl zu peinlich sich neben mich zu stellen, der Lehrer brauchte jedenfalls viel Überredungskunst bis sie sich mit aufs Foto stellten 😀 Mit einem Origami-Kranich als Dankeschön in der Tasche ging ich weiter.
Irgendwann drehte ich um und lief auf der anderen Straßenseite wieder zurück zum Kanal. Diesem folgte ich nun in die andere Richtung bis ich zum Hafen von Otaru kam, an dem ich noch etwas herumlief und danach ging es zurück zum Bahnhof.

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Da ich noch den halben Tag Zeit hatte, überlegte ich zurück in Sapporo was ich noch machen könnte. Ich entschied mich schließlich für das Kaitaku no Mura, eine Art Freilichtmuseum über die Geschichte Hokkaidos. An der nähesten Bahnstation angekommen suchte ich die Bushaltestelle an der ein Bus zum Museum fahren sollte, jedoch konnte ich sie nicht finden. Also entschied ich mich zu laufen, mein Handy mit GoogleMaps hatte ich ja. Es dauerte etwa 25 Minuten, dann war ich an dem großen Parkgebiet angekommen, in dem das Museum irgendwo liegen sollte.
Der Park war riesig, es war eher ein Wald, und wirklich das erste Mal in Japan das ich mich fast alleine in einem Park befand. Es ging durch einen Wald und an der Straße entlang, mir kam keine Menschenseele entgegen. Irgendwann errichte ich endlich das Museum.
Es gab dort vor allem alte Häuser zu besichtigen, was ziemlich interessant war, aber es waren fast schon zu viele um sie sich alle anzuschauen weswegen ich sie mir eigentlich nur von außen angesehen habe.

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Dann wollte ich eigentlich durch das kleine angrenzende Waldstück gehen, denn laut Karte gab es dort eine Hängebrücke (ich liebe Hängebrücken). Leider war diese abgesperrt, daher kam ich irgendwann wieder am Eingang des Museums heraus. Ich fuhr dann mit dem Bus zurück und der zweite Tag in Hokkaido war bereits vorbei.

Der dritte Tag in Hokkaido war ein Mittwoch und es hieß Hotelwechsel. Ich packte meine Sachen, checkte aus und fuhr zum Sapporo-Hauptbahnhof. Von dort aus bestieg ich einen Bus nach Asahikawa. Asahikawa (旭川) liegt etwa zentral in der Mitte Hokkaidos und hat nicht gerade viele Sehenswürdigkeiten, doch der Zoo in Asahikawa ist ziemlich berühmt. Ich stehe Zoos und Tierparks etwas skeptisch gegenüber, dennoch wollte ich mal wieder einen Zoo besuchen, auch weil ich keine wirkliche Alternative hatte. Ich hatte mich nämlich verplant und die Blumenfelder, die ich eigentlich an diesem Tag besuchen wollte, waren zu dieser Zeit im Juni noch nicht offen. Das hat mich ziemlich geärgert, denn Biei und Furano liegen in der Nähe von Asahikawa, man kommt aber nur zu bestimmten Zeiten im Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Feldern, die Anfang Juni noch nicht fuhren. Also blieb nur der Zoo.

Nachdem ich in Asahikawa angekommen war bestieg ich daher einen Bus zum Zoo. Dieser liegt etwas abseits am Rand von Asahikawa. Es gab ziemlich viele Tiere zu sehen, allerdings merkt man das die Vorschriften was Gehegegröße angeht in Asien noch um einiges anders sind als in Europa und ich mal wieder merkte, warum ich Zoos eigentlich ungern unterstütze. Das Gehege der Eisbären war winzig, zwei von ihnen konnten nicht einmal ins Wasser. Auch das der Pinguine und Löwen fand ich etwas klein. Das Gehege der Wölfe hat mir (als Wolfs- und Hundefan) aber gut gefallen. Man konnte durch eine Luke im Boden hautnah die Wölfe beobachten, die zur Zeit auch Junge hatten.

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Am Gehege der roten Pandas wurde ich ziemlich sauer, weil diese um diese Tageszeit schliefen und ein dicker Chinese nichts besseres zu tun hatte, als unentwegt gegen die Scheibe zu klopfen, obwohl groß auf einem Schild stand das man das unterlassen soll. Irgendwann reichte es mir und ich meinte auf Englisch zu ihm: „Die Tiere schlafen! Wissen Sie, ich klopfe auch mal nachts an Ihre Scheibe wenn Sie schlafen, mal schauen ob Sie das so toll finden!“ Ich kam mir vor wie bei Harry Potter. Keine Ahnung ob er mich verstanden hat, er hat mich nur doof angeguckt.
Irgendwann hatte ich alles gesehen, es fing sowieso an zu regnen und daher fuhr ich zurück. Mein Hotel lag ganz in der Nähe des Bahnhofs, deswegen habe ich mir noch etwas zu essen gekauft und bin dann ins Hotel zum einchecken. Und wieder war ein Tag vorbei.

Am Donnerstag stellte ich fest, dass das Wetter noch schlechter geworden war. Außerdem war die Temperatur um etwa 10 Grad gefallen und ich hatte natürlich nicht die passende Kleidung eingepackt. In Zwiebelschichten ging es dann erst einmal zum Museum von Asahikawa, dass etwa 10 Minuten Fußmarsch entfernt lag. Dort sah ich mich aber nur kurz um – da eine Horde von Schulklassen kurz vor mir das Museum gestürmt hatte, flüchtete ich ziemlich bald wieder und machte mich auf den Weg zurück zum Bahnhof. Dort überlegte ich was ich heute noch machen könnte, denn es regnete jetzt ganz fürchterlich. Ich habe mich dann für die Ueno Farm entschieden, einen kleinen Garten, der eine kurze Zugfahrt entfernt lag. Da ich allerdings auf Hokkaido war bekam ich die schlechte öffentliche Verkehrsanbindung zu spüren – der nächste Zug dorthin fuhr erst in 2 Stunden. Ich bin daher noch etwas in ein paar Geschäften und einem Einkaufszentrum gewesen, bevor ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof machte.
Endlich fuhr der Zug und ich stieg nach etwa 6 Stationen mitten an einem verlassenen Bahngleis im Nirgendwo aus. Mithilfe von Google Maps tabte ich durch den strömenden Regen, vorbei an Reisfeldern und Bäumen, bis ich irgendwann den Garten erreicht hatte.

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Mittlerweile war ich nass und durchgefroren, aber da ich nun schon einmal dort war ging ich auch hinein. Dort bezahlte ich den Eintritt und sah mich um. Von einem kleinen Hügel in der Mitte des Gartens hatte man einen schönen Blick auf die Umgebung – die eigentlich nur aus Feldern bestand.

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Nachdem ich alles gesehen hatte, habe ich mich zum Aufwärmen und da ich noch Zeit hatte, in das kleine Cafè dort gesetzt und ein Stück Kuchen gegessen. Als es Zeit wurde und damit ich die nächste Bahn bekam, machte ich mich dann an den Rückweg.
In Asahikawa verbrachte ich dann noch ein wenig Zeit in einem großen Buchladen und verzog mich dann aufgrund des immer noch strömenden Regens ins Hotel.

An meinem letzten Tag in Hokkaido checkte ich morgens aus und fuhr zurück nach Sapporo. In Sapporo hatte ich dann noch einige Stunden Zeit, in denen ich mich um den Bahnhof herum noch etwas umsah und ein paar Souvenirs kaufte. Dann ging es zurück zum Flughafen.
Dort wurde ich übrigens zum allerersten Mal von der Polizei kontrolliert. Ich saß gerade im Wartebereich vor dem Gate, als mich eine Flughafenpolizistin ansprach. Sie wollte meine Registration Card (quasi den Personalausweis für Ausländer) sehen und fragte, was ich in Hokkaido gemacht hatte. Es kamen wohl nicht oft ausländische Touristen dorthin, weswegen sie diese wohl lieber mal kontrollieren 😉 Ausländer sind in Japan übrigens verpflichtet, immer ein Ausweisdokument mitzuführen, ich denke sie wollte nur wissen ob ich das auch einhielt. Sie schrieb aber nur meine Adresse auf und wünschte mir einen guten Flug.

Ich war froh, dass ich ein paar Tage in Hokkaido verbracht habe. Leider konnte ich nichts von dem sehen, wofür Hokkaido eigentlich bekannt ist. Ich war zu einer falschen Zeit dort und man braucht wirklich ein Mietauto, weil man sonst nirgendwo hinkommt. Trotzdem hat es mir gut gefallen, auch wenn das Wetter ziemlich mies war. Irgendwann möchte ich noch einmal ein paar der wirklich schönen Orte in der großartigen Natur von Hokkaido besuchen 🙂

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