Im Summer Camp mit japanischen Schulkindern

Der letzte Samstag war einer der bisher schönsten, wenn auch anstrengensten Tage hier in Japan. Er war übrigens auch gleichzeitig mein Geburtstag – und dabei wahrscheinlich der ungewöhnlichste, aber schönste den ich je hatte!

Ein japanischer Verein führt landesweit verschiedene Events und Aktivitäten durch und das auf ehrenamtlicher Basis. Besonders gefördert wird auch der internationale Austausch zwischen Japan und anderen Ländern. So hatten wir von der Schule einen Flyer bekommen, ob wir nicht an einem Day Camp mit Schulkindern teilnehmen wollten, als Volunteer quasi, und mit den Kindern spielen, kochen und basteln wollten. Ich fand die Idee toll und freute mich daher zuvor schon tagelang darauf.

Wir trafen uns um kurz vor neun in der Schule. Dort wurden wir von zwei Männern mit Autos abgeholt und fuhren ins von Fukuoka etwa eine Stunde entfernte Nakagawa, in ein Freizeitcamp auf einem der Berge.

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Dort angekommen wurden wir kurz eingewiesen, dann hies es auf die Kinder warten. Nach einer halben Stunde trafen auch die Kinder ein. Die Kinderschar, die es zu bespaßen galt, bestand aus etwa 30 Jungen und Mädchen im Alter von ungefähr 10-12 Jahren. Eingeteilt waren sie in 5 Gruppen so das jeder von uns eine eigene Gruppe zugewiesen bekam. Zu Beginn sollten wir uns kurz vorstellen, dann setzten wir uns zu unserer jeweiligen Gruppe auf den Boden. Nun wurden erst die Hausaufgaben eingesammelt, dann bekam jede Gruppe ein Land zugewiesen. Zu diesem Land sollte jede Gruppe zusammen ein Plakat erstellen und das Land vor der Klasse vorstellen.

Wir bekamen Korea und sollten dazu zuerst einen Text lesen, dann malten die Kinder auf das Plakat die Flagge sowie andere interessante Dinge über das Land, wie z.B. Kleidung, Essen, Nationalsportart, etc. Ein Mädchen aus unserer Gruppe konnte unfassbar gut zeichnen – ich glaube jedem zweiten Kind in Japan wird ein besonderes Zeichentalent in die Wiege gelegt… Nach einer halben Stunde wurden die Ergebnisse dann vorgetragen.

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Danach ging es nach draußen auf die Wiese, denn jetzt hieß es Mittagessen vorbereiten. Es sollte Curry geben und jede Gruppe hatte dafür eine andere Fleischsorte zugewiesen bekommen. Nachdem noch etwas über das jeweilige Tier gelernt wurde, damit jeder auch wusste woher das Fleisch kam, sollten wir versuchen Feuer zu machen. Wie in der Steinzeit hatten wir einen Stock, den es so schnell zu drehen galt, dass daraus ein Feuer wird. Einer der Lehrer meinte dann spaßhalber das es kein Essen geben wird wenn wir kein Feuer hinbekommen 😀

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Jede Gruppe versuchte ihr Glück, doch nachdem wir nach zwanzig Minuten immer noch kein Feuer sondern nur einige Funken und Rauch herausbekommen hatten, gab es glücklicherweise modernere Technologie in Form eines Streichholzes und so konnten wir uns ans Essen machen. Alle Zutaten außer das Gemüse waren bereits vorgeschnitten. Jede Gruppe hatte ihre eigene Feuerstelle und sollte dort das Curry zubereiten. Es gab zwei Arten von Curry und da die Kinder sich auf keine einigen konnten, spielten sie Janken. Janken ist das japanische Stein-Schere-Papier und wird in Japan so gut wie immer benutzt, wenn eine Gruppe keine Entscheidung treffen kann. Die Jungs gewannen und so hatten wir die Curry-Sorte festgelegt.

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Nun wurde der Salat vorbereitet während das Fleisch bereits brutzelte. Drei der Kinder halfen brav den Salat zu waschen und die Gurken und Tomatan zu schneiden, die anderen Jungs rannten eher in der Gegend herum 😉

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Irgendwann war unser Curry fertig. Bevor es aber ans Essen ging, wurde erst noch aufgeräumt, was jedes Kind wirklich anstandslos gemacht hat. Es gab natürlich ein paar vorlaute und freche Jungs, aber niemand hat sich geweigert oder Theater gemacht, jeder hat brav mitgeholfen und das hat mich sehr überrascht.

Nach dem Essen ging es wieder ins Haus, um dort zu basteln. Wir bekamen jeder ein Set bestehend aus Speckstein und Sandpapier und daraus sollte jeder ein Magatama, einen beschützenden Anhänger, herstellen. Die Umrisse waren vorgezeichnet, aber es war ganz schön schwierig die richtige Form hinzubekommen und dauerte eine Weile. Nach dem üblichen Aufräumen und ein bisschen Spielen bekamen die Kinder wieder neue (Berge von) Hausaufgaben. Danach neigte sich der Tag dem Ende zu und nachdem die Kinder sich bedankt und verabschiedet hatten, traten auch wir die Heimreise an.

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Der Tag war wirklich ein tolles Erlebnis und hat auch hinsichtlich Japanisch lernen sehr viel gebracht. Es war zwar auch etwas anstrengend, aber die Kinder waren wirklich klasse und es war ein Geburstag, den ich wohl so schnell nicht vergessen werde 🙂